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Sichere Trinkwasser- und Sanitärversorgung für Einheimische und Geflüchtete

Fast 13 Millionen Menschen in Ostafrika leben in Flüchtlingslagern oder aufnehmenden Gemeinden

Kinder waschen ihre Hände
Gründliches und regelmäßiges Händewaschen beugt Infektionen vor.

Subsahara-Afrika beherbergt mehr als ein Viertel der weltweit Geflüchteten, Tendenz steigend. Die Geflüchteten bewegen sich überwiegend innerhalb des Kontinents, meist sogar in ihrer Region. Am Horn von Afrika und in der Region der Großen Seen leben derzeit 4,6 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende, die meisten (über 4 Millionen) aus Südsudan, Somalia, Sudan und Burundi. Weitere 8,1 Millionen Menschen sind in der Region aufgrund von Konflikten und Naturkatastrophen intern vertrieben worden, viele leben schon seit vielen Jahren als Geflüchtete. Doch die meisten Flüchtlingscamps wurden lediglich für eine Übergangsphase geplant. Dies erhöht den Druck auf Infrastruktur, insbesondere die Wasser- und Sanitärversorgung (WASH) in den aufnehmenden Gemeinden – und führt zu erheblichen Gesundheitsrisiken für alle Bewohner. In vielen Camps und Kommunen haben die Bewohner weniger als 20 Liter Wasser täglich zur Verfügung.

Die Verwaltung der Camps und die Grundversorgung der Geflüchteten wird oftmals von der zuständigen Regierung an den Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (United Nations High Commissioner for Refugees - UNHCR) delegiert. Die von den Regierungssystemen losgelöste und isolierte Grundversorgung der Geflüchteten – in der Regel mit Tankwagen – ist relativ teuer und nicht nachhaltig. Und: um Verteilungskonflikte zwischen der lokalen Bevölkerung und zugezogenen Flüchtlingen zu vermeiden, ist die adäquate Versorgung aller Bevölkerungsgruppen mit Wasser und Sanitärdienstleistungen wichtig. Ein Vorhaben in der Region Gambella für südsudanesische Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden in Äthiopien zeigt, dass leitungsgebundene Trinkwasserversorgung bereits nach kurzer Zeit kostenmäßig deutlich günstiger ist als die Versorgung mit LKWs.

UNICEF und UNHCR haben in Zusammenarbeit mit der KfW Entwicklungsbank nachhaltige Programme konzipiert. Die R-WASH-Projekte (R steht für „regional“) umfassen Investitionen in die Wasser- und Abwasserinfrastruktur für die aufnehmenden Gemeinden, Flüchtlinge und Binnenvertriebene sowie Unterstützung für den Aufbau von leistungsstarken, lokalen Wasserversorgungsunternehmen.

In einer ersten – dreijährigen – Phase werden an drei bis vier Standorten in Äthiopien, Sudan, Somalia und ggfs. Uganda Wasserversorgungssysteme und Sanitäranlagen gebaut und ausgebaut. Die Gesamtkosten für diese Phase belaufen sich auf 32 Mio. EUR. Durch die integrierte Versorgung für Geflüchtete und aufnehmende Gemeinden sollen Verteilungskonflikte vermieden und ein friedliches Zusammenleben gefördert werden. So kann die Infrastruktur langfristig zu Konfliktminderung und Stabilisierung beitragen und – gerade in fragilen Regionen – das Vertrauen in staatliche Institutionen stärken. Denn ein Staat, der die infrastrukturelle Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellen kann, genießt Legitimität.

Ein Mann steht vor Wassertanks
Wassertanks im Ngunyyiel Camp in Gambella / Äthiopien

Umfangreiche Begleitmaßnahmen unterstützen die lokalen Wasserversorger dabei, einen möglichst kosteneffizienten und nachhaltigen Betrieb zu gewährleisten – auch langfristig. Außerdem sollen kurzfristige Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 umgesetzt werden, beispielsweise öffentliche Handwaschanlagen. Die Einwohner sollen bei allen Maßnahmen eng in die Durchführung einbezogen werden.

Die Baumaßnahmen werden durchgängig in fragilen Regionen – oder zumindest in der Nähe solcher Gebiete – umgesetzt. Diese Regionen sind oft durch interethnische Konflikte und / oder terroristische Anschläge gekennzeichnet. Aus diesem Grund werden zuzüglich zu den Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfungen auch standortbezogene Kontextanalysen durchgeführt.

Rigorose Wirkungsevaluierung wird das Vorhaben begleiten

Eine Besonderheit: die unabhängige Evaluierungseinheit wird gemeinsam mit dem operativen Team und dem Kompetenzcentrum für Frieden und Sicherheit der KfW Entwicklungsbank parallel zum Vorhaben eine „Begleitevaluierung“ durchführen. Ihr liegt eine Hintergrundanalyse zugrunde, die alle wissenschaftlichen Publikationen seit 2015 umfasst, die den Zusammenhang zwischen der Bereitstellung von (WASH-)Infrastruktur und sozialem Zusammenhalt untersuchen. Die 16 Studien untersuchen die langfristigen Wirkungen von Interventionen mit Infrastrukturkomponenten, die in fragilen Regionen und Ländern durchgeführt und von Akteuren wie den Vereinten Nationen sowie NROs gefördert wurden. Zentrale Frage: Was wäre passiert, wenn die Begünstigten des Projekts im gleichen Zeitraum nicht von dem Projekt profitiert hätten? Wie wäre ihr Leben ohne das Projekt verlaufen?

Die Ergebnisse können Synergieeffekte im Lernen – sowohl bei Entwicklungspartnern als auch bei den Partnern vor Ort – stärken, das wird künftigen Projekten zugutekommen.

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