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Ernährungs- und Einkommenssicherung in Syrien

Drei Männer stehen mit Brot
Brotverteilung in einem Camp

Bereits elf Jahre dauert der Bürgerkrieg in Syrien an, mit dramatischen Folgen für die Bevölkerung: schätzungsweise eine halbe Million Tote, 90 Prozent der Bevölkerung leben in Armut, die Hälfte der Bevölkerung sind seit 2011 geflohen, entweder in Nachbarländer, nach Europa oder in „sichere“ Gebiete im eigenen Land. Jordanien, Libanon und die Türkei haben 5 Millionen Geflüchtete aufgenommen, in der Region sind 24 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Die Infrastruktur ist in weiten Teilen zerstört – Krankenhäuser, Straßen, Strom- und Wasserversorgung und viele Wohnhäuser. Geschätzte 63 Prozent der Landesfläche werden wieder von Baschar al Assad kontrolliert. Im Norden bzw. Osten des Landes sind Gebiete in der Hand von oppositionellen Gruppen, der Türkei und Kurden - wie ist Hilfe für die dort lebenden Menschen möglich? Und wie engagiert sich die KfW Entwicklungsbank?

Der von der KfW verwaltete Treuhandfonds „Syria Recovery Trust Fund“ trägt zur Grundversorgung der Bevölkerung in den syrischen Oppositionsgebieten bei – beispielsweise durch Investitionen in die Wasser- und Gesundheitsversorgung, durch die Rehabilitierung der landwirtschaftlichen Bewässerungsanlagen, aber auch durch die Bereitstellung von Finanzmitteln für KleinstunternehmerInnen und die Lieferung von Saatgut, Düngemitteln und Medikamenten. Die Lieferungen in den Nordwesten Syriens erfolgen über den – einzigen noch offenen – Grenzübergang Bab al-Hawa nahe der türkischen Grenzstadt Reyhanli. Der Nordosten kann nur über den Nordirak versorgt werden.

Die seit 2013 von Deutschland und der internationalen Gebergemeinschaft bereitgestellten Mandatsmittel für den SRTF belaufen sich auf rd. 310 Mio. EUR (April 2022). Mehr als 11 Millionen Syrer (Doppelzählungen eingeschlossen) profitierten bisher von den Projekten im Umfang von 211 Mio. EUR. Partner vor Ort sind Kommunen, UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen. Die Erfahrungen der vergangenen acht Jahre zeigen, dass sich die Versorgungssituation in den Gemeinden verbessert hat, aber auch immer neue Herausforderungen hinzukommen oder sich verschärfen. Infolge anhaltender Dürren, aber auch infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine, sind Getreideproduktion und -import eingeschränkt, was die Ernährungssicherung der Bevölkerung akut gefährdet. Der SRTF kann schnell auf die sich ändernden Bedarfe reagieren dank einer starken Umsetzungsstruktur, dem engen Austausch mit lokalen Partnern, dem systematischen Monitoring und Reporting auf Einzelprojektebene und einer robusten Aufsicht durch Geber und andere Stakeholder.

Beispiele für das Engagement des SRTF

Men working in a bakery
Bäckerei in Nord-Aleppo

In den letzten Jahren haben sich die Interventionsbereiche des SRTF folglich zum Teil geändert. So sind zunehmend Nahrungsmittellieferungen erforderlich: Im Juni 2021 wurden 10.000 Tonnen Weizen geliefert – so werden Engpässe bei der Mehlversorgung in den lokalen Bäckereien verhindert. Auf diese Weise konnte die Brotversorgung für 270.000 Begünstigte im Gouvernorat Aleppo sichergestellt werden.

Etwa 1000 Landwirte in sechs Genossenschaften im Gouvernorat Ar-Raqqa werden in diesem Sommer mit landwirtschaftlichen Geräten im Wert von 4,6 Mio. EUR beliefert. Auch dies ist ein Beitrag zur Ernährungssicherheit und Existenzsicherung.

Zwei Männer halten einen Kuh fest
Impfprogramm in Nordaleppo

Das SRTF-Landwirtschaftsprojekt „Unterstützung für die Viehzucht in Nord-Aleppo“ erhielt im März 2022 zwei tragbare Förderbänder. Diese werden den Transport und die Lagerung von Futtersäcken in Lagerhäusern sowie das Be- und Entladen von Futtermitteln aus Lastwagen erleichtern. Eine weitere Komponente des Projekts sind veterinärmedizinische Impfkampagnen, die rund 11 500 Viehzüchtern direkt zugutekommen. Darüber hinaus werden rund 2 680 Schaf- und Ziegenzüchter mit Ergänzungsfuttermitteln versorgt.

Daneben engagiert sich die KfW Entwicklungsbank wie viele andere Geber auch für Geflüchtete im Libanon, Jordanien und der Türkei – sowohl in Camps als auch in aufnehmenden Gemeinden. Dort werden vor allem Nahrungsmittel, medizinische Hilfen, Wasser- und Sanitärversorgung sowie Schulbildung für Kinder finanziert.

Syria Recovery Trust Fund