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Soziale Verantwortung in der Lieferkette

KfW unterstützt kleine und mittelgroße Unternehmen bei Präsenz auf dem globalen Markt

Mehrere Mitarbeiter einer Fruchtsaftproduktion bei der Apfelauslese
Die Einhaltung ökologischer und sozialer Mindeststandards in den Lieferketten ist ab Januar 2023 gesetzlich verankert

Das Lieferkettengesetz verpflichtet ab dem kommenden Jahr deutsche Unternehmen, ihre ökologisch-soziale Verantwortung auch bei den Zulieferern umzusetzen. Auf diese kommen damit neue Anforderungen zu. Damit kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Asien, Afrika und Lateinamerika diesen Ansprüchen gerecht werden können, hat die KfW im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam mit Aavishkaar Capital den ESG First Fund gegründet.

Das neue Lieferkettengesetz vom Juni 2021 erwartet von deutschen Unternehmen, dass ökologische und soziale Mindeststandards entlang der gesamten Wertschöpfungskette eingehalten werden. Das bedeutet, dass auch Sub-Sublieferanten diesen Anforderungen unterworfen werden. Doch gerade kleine und mittlere Unternehmen sind bisher noch nicht immer in der Lage, dem gerecht zu werden.

Vielerorts mangelt es an Arbeits- und Gesundheitsschutz, Umweltfreundlichkeit und sozialer Gerechtigkeit am Arbeitsplatz. So werden zu niedrige Löhne gezahlt oder Frauen bei der Anstellung benachteiligt. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die lokale Gesetzgebung oft schwach ist oder unzureichend durchgesetzt wird. Wenn das deutsche – und das angekündigte europäische – Lieferkettengesetz in Kraft tritt, haben gerade KMU, die die ökologischen und sozialen Standards bisher nicht einhalten oder nicht nachweisen können, einen gravierenden Nachteil. Sie laufen Gefahr, europäische Unternehmen als Abnehmer zu verlieren. Großunternehmen können in vielen Fällen eher die Kosten und den Aufwand stemmen, um sich weiterhin als Zulieferer der europäischen Konzerne zu behaupten.

Fonds gegründet

Daher hat die KfW gemeinsam mit Aavishkaar Capital den ESG First Fund gegründet. ESG steht für „environmental, social, governance“. Die KfW steuert zunächst 50 Mio. EUR zum Stammkapital von 250 Mio. USD bei, mit dem der Fonds Anfang 2022 startete. Er wird in produzierende Unternehmen in den Partnerländern investieren, die in deutsche und europäische Lieferketten eingebunden sind. Dabei liegt der Fokus zunächst auf Südostasien mit den Ländern Indien, Vietnam, Bangladesch, Kambodscha und Indonesien sowie auf Subsahara-Afrika, insbesondere Kenia, Südafrika und Nigeria. Im Mittelpunkt stehen Sektoren wie Agrarprodukte, Textilien, Schuhe, Maschinenteile, Automobilteile und Möbel. Der Fonds begutachtet die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen und stößt Veränderungen an, um den sozialen und ökologischen Mindeststandards Rechnung zu tragen. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Geschlechtergerechtigkeit gelegt, etwa beim Arbeitsumfeld. „Es ist wichtig, dass wir Unternehmen in anderen Teilen der Welt nicht von den Lieferketten in Richtung Europa ausschließen, sondern sie dazu befähigen, ein besseres due diligence Management umzusetzen“, sagt BMZ-Referatsleiterin Anosha Wahidi.

Weitreichende Wirkung

Es wird geschätzt, dass die Lieferketten multinationaler Unternehmen gut 80 Prozent des Welthandels ausmachen und rund jeden fünften Arbeitnehmer beschäftigen. Sie dominieren damit die globale Wirtschaft. Verbesserungen bei Menschenrechten sowie Umwelt- und Sozialstandards allein in diesen Lieferketten hätten also große Auswirkungen.