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Guarango-Anbau in Ecuador: Auf dem Weg zu einer neuen lokalen Bioökonomie

Das REDD Early Movers Programm (REM) unterstützt Kleinbäuer*innen dabei, ihre Guarango-Produktion auszuweiten und neue Vertriebswege zu erschließen.

Frau mit Korb voller Guarango Schoten
Aida Gordillo, Guarango Pflückerin aus der Dorfgemeinde Pablo Arenas.

Der Guarangobaum hat in den Anden eine lange Tradition. Bereits bei den Inkas wurde Guarango (Caesalpinia spinosa, Kuntse) als Heilpflanze und natürlicher Farbstoff verwendet. Eine traditionelle Verwendung, die bis heute beibehalten wird. Hoch in den Bergen wachsend, braucht der Baum nicht viel Wasser und kommt mit sandigen und steinigen Böden gut zurecht. Guarango (auch Tara genannt) ist als einheimische Pflanze in Südamerika weit verbreitet. Aus den Schoten werden verschiedene Rohstoffe gewonnen, vor allem Mehle und Gummis für die industrielle Weiterverarbeitung. Auch in der Pharmazie, in der Kosmetik oder als nachhaltiges Tierfutter kommt die Pflanze zum Einsatz. In der ecuadorianischen Sierra wird Guarango in kleinem Umfang von lokalen Gemeinschaften angebaut, aber die geringe Ernte reicht meist nicht als Einkommen aus.

Biologische und soziale Folgen von Entwaldung

Seit der Kolonialzeit wurden viele Wälder in der Region für landwirtschaftliche und produktive Zwecke abgeholzt, was zum Verlust von Biodiversität und fruchtbaren Böden führte. Der Mangel an Bäumen erhöhte zudem die Anfälligkeit der Region gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Viele Familien haben deshalb ihre Dörfer verlassen und sind auf der Suche nach einer besseren Lebensgrundlage in die großen Städte gezogen. Dort finden sie jedoch nur schwer bessere Lebensbedingungen. Hier setzt das REM-Programm an.

Win-Win für Wirtschaft und Umwelt

Trotz der hohen internationalen Guarango Nachfrage, ist das Markt-Angebot bisher begrenzt. Ansatz des REM-Programms ist, dass eine effizientere Guarango-Produktion eine Win-Win Situation für die wirtschaftliche Entwicklung der Menschen und den Naturschutz darstellt. Guarangobäume helfen ausgetrockneten und unfruchtbaren Böden dabei, sich wieder zu erholen. Abgefallene Guarangoblätter geben wichtige organische Substanzen an den Boden ab und das tiefe Wurzelsystem trägt zur Bodenstabilisierung und Wasserregulierung bei. Das macht die Pflanze zu einer idealen naturbasierten Lösung, um degradierte Böden wieder fruchtbar zu machen und die Artenvielfalt in der ecuadorianischen Sierra zu schützen.

Guarango pflücken seit der Kindheit

Sorgfältig prüft Aida Gordillo die frisch gesammelten Guarango-Schoten und zeigt auf die Kinder neben ihr: "Als ich so klein war wie sie, sammelte meine Mutter Guarango. Mama hat uns immer ermutigt: Geht Guarango sammeln, dann könnt ihr euch neue Schuhe kaufen!". Wie Aida Gordillo arbeiten viele Frauen in der ecuadorianischen Sierra hart, um ihre Familien durch das Pflücken zu ernähren. Doch das Einkommen aus dem kleinen Verkauf reicht meist nicht aus, um die ganze Familie zu ernähren. Hinzu kommt, dass viele Gemeinden keinen Zugang zu größeren Handelsketten haben. Um Lebensbedingungen zu schaffen, in denen der Guarango-Anbau genügend Einkommen für Menschen wie Aida Gordillo generieren kann, unterstützt das von Deutschland und Norwegen finanzierte REDD Early Movers (REM)-Programm der KfW und der GIZ die ecuadorianische Regierung bei ihrer Vision, die Lebensbedingungen vor Ort nachhaltig zu verbessern.

Guranago Schoten
Guarango Schoten.

Lokales Empowerment und Zusammenarbeit für mehr Guarango Produktion

Eine dieser Maßnahmen ist die Optimierung der Guarango-Wertschöpfungskette. Produzent*innen, Pflücker*innen, Universitäten und private Unternehmen schließen sich zusammen, um gemeinsam die Abnahmemärkte zu analysieren. Die Beteiligung der lokalen Gemeinschaften spielt eine besonders wichtige Rolle im REM-Programm. Deshalb sollen die lokalen Pflücker*innen und Produzent*innen befähigt und gestärkt werden, die neue Bioökonomie selbst aktiv zu gestalten. Um eine konstante Versorgung mit Guarango zu erreichen, plant das Projekt die Förderung von größeren Plantagen und gemischten Agroforstsystemen sowie die Einführung von industriellen Kleinanlagen für eine größere Produktion in der Region.

Die Akteur*innen des Projekts hoffen, dass Guarango zum nachhaltigen Wachstumsmotor wird. In El Tambo steht der Umweltsprecher Pablo Villareal auf seinem Gemeindeland und erklärt die Vorteile des Guarangos: "Vor etwa 10 Jahren war ich an einem Aufforstungsprojekt beteiligt und jetzt sind die Guarangopflanzen bereits in Produktion. Es ist eine sehr prächtige Pflanze, die viel zu bieten hat." Villareal, der Umweltprojekte in der Region überwacht, blickt hoffnungsvoll in die Zukunft: "Ich denke, Guarango kann gut kommerzialisiert werden. Das würde unser Einkommen verbessern und eine bessere Zukunft für unsere Familien ermöglichen".

Ecuador ist ein Pionier im weltweiten REDD+ Programm (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) und hat in den letzten Jahren einen positiven Trend zur kontinuierlichen Reduzierung der Entwaldung beibehalten. Dieser Erfolg ist vor allem auch mit der Stärkung der lokalen Regierungsführung verbunden. Ecuador hat es mithilfe seines Waldschutzprogramms Socio Bosque geschafft, über 1,6 Mio. unter den Schutz lokaler Gemeinden und indigener Völker zu stellen (Stand 2019). Darüber hinaus hat das Land einen REDD+ Aktionsplan verabschiedet.

Das REM Programm wurde 2011 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen und bietet Regierungen und lokalen Gemeinschaften eine finanzielle Förderung, wenn sie die Entwaldung nachweislich reduzieren. Der Erfolg wird in Tonnen CO2 gemessen, die durch den Walderhalt nicht in die Atmosphäre ausgestoßen werden, sondern in den Bäumen und Böden gebunden bleiben. Ursachen von Entwaldung, wie Viehzucht und illegaler Holzeinschlag, haben meist wirtschaftliche Ursachen. Aus diesem Grund entwickelt das REM-Programm Maßnahmen, die lokale Lebensumstände berücksichtigen und gleichzeitig Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung in Einklang bringen.

Mit Material des REM Programms Ecuador und der Fundación Ambiente y Sociedad (FAS)