Tipp: Aktivieren Sie Javascript, damit Sie alle Funktionen unserer Website nutzen können.

Fasten der anderen Art

Auf Verpackung verzichten und die Umwelt schützen

Portrait von Lara Heckmann

"Von Wissen kommt Kümmern, und von Kümmern kommt Wandel" – dieses Zitat des Journalisten Craig Leeson aus dem eindringlichen Dokumentarfilm "A Plastic Ocean" lässt mich bis heute nicht los. Der Film macht auf die Missstände in unseren Ozeanen durch Plastikverschmutzung aufmerksam. Nachdem ich als Werkstudentin in der KfW Entwicklungsbank die Gelegenheit hatte, den Film im Zusammenhang mit meiner Arbeit dort zu sehen, wurde mir bewusst, welchen Anteil ich mit meinem persönlichen Lebensstil – genauer: mit meinem täglichen Plastikverbrauch – daran habe. Das wollte ich dringend ändern, am besten sofort. Die Fastenzeit schien mir ein geeigneter Zeitraum für die Testphase "Plastikfrei Einkaufen" zu sein. Sechseinhalb Wochen fastete ich also – zu lang, um es einfach zu haben, und lang genug, um sich daran zu gewöhnen. Dass dies schwierig werden würde, hatte ich mir schon gedacht. Dass es bei der Suche nach plastikfreien Alternativen neben dem ganzen Kopfzerbrechen auch deutlich mehr Zeit und Geld kosten würde, wurde mir erst während des Plastikfastens so richtig klar.

Dabei waren die Regeln ganz einfach. Kurz und knapp: Kein neues Plastik einkaufen und konsumieren. Seit Studienbeginn trinke ich bereits Leitungswasser, sodass ich meinen Bedarf an Plastikflaschen für Mineralwasser schon mal nicht reduzieren musste. Saft kaufte ich nun also in Glasflaschen, genauso wie die meisten anderen Getränke oder auch den Joghurt. Gemüse gab es unverpackt aus dem Super-, Bio- oder Wochenmarkt. Außerdem war der Gang zum Markt mit mitgebrachten Dosen und Gläsern eine Lösung für plastikfreien Käse und Aufstrich. Den Teil stellte ich mir vorher viel komplizierter vor, als er am Ende war: Eine freundliche Bitte, den Käse ohne Plastikfolie in meine mitgebrachten Behälter zu legen, genügte. Lange Erklärungen waren nicht nötig. Das kannten die MitarbeiterInnen offensichtlich schon von vielen anderen KundInnen. Schön war außerdem, dass man dadurch einmal neue Geschmäcker und Aromen auf den Esstisch bekam. Das lag auch daran, dass Plastikfasten für mich – wegen der Verpackung – einher ging mit Nudelfasten, Tiefkühlpizzafasten, Reisfasten und einen Verzicht auf passierte Tomaten bedeutete – in jedem Fall ein Ansporn, beim Kochen kreativ zu werden. Auch beim kleinen Snack und Getränk zwischendurch musste ich nun aufpassen: keine Pommesgabel aus Plastik, keine Strohhalme in der Limoflasche oder im Eiskaffee.

Etwa 430 Gramm Plastik fielen in sechseinhalb Wochen Fastenzeit dennoch an. Darunter waren Taschentücher-Verpackungen, in der Zeit leer gewordene Shampooflaschen, Waschmittelverpackungen oder die Plastikverpackung neuer Fusselrollen, die für die Arbeit definitiv unverzichtbar war. Ein Blick auf eine Statistik des UN Umweltprogramms (UNEP) zeigte mir aber, dass das immer noch circa 70 Gramm weniger Plastik waren, als der Deutsche durchschnittlich am Tag verbraucht.

Zugegeben – ich habe mich schon gefreut, als die Fastenzeit zu Ende war. Da gab es erstmal Käse von der Supermarktheke, bei dem die Plastikverpackung zumindest reduziert ist. Auch auf Nudeln habe ich mich gefreut, genauso wie auf günstigeren Fetakäse. Dennoch verzichte ich weiter auf viele Plastikartikel, die im früheren Alltag einfach dazugehörten – Zahnbürste, Zahnpasta, Shampoo, Duschgel, Spülmittel, Waschmittel etc. Für all diese und noch weitere Dinge nutze ich seitdem plastikfreie Alternativen. Die gibt es nämlich, sie müssen nur gefunden werden. Vieles habe ich dazu auch selbstgebacken, selbst angefertigt oder angerührt. Das macht unglaublich Spaß, kostet aber auch Zeit. Im Allgemeinen kann ich Plastikfasten dennoch jedem empfehlen. Wenn man es auch nicht auf Dauer mit so wenig Plastik aushalten möchte, wird einem doch wenigstens bewusst, in welchen Unmengen wir täglich Plastik verwenden und wie es unseren Alltag bestimmt. Eventuell ist es dann nicht mehr so weit zum letzten Schritt der Kette "Wissen – Kümmern – Wandel", wie sie Craig Leeson in "A Plastic Ocean" vorhersagt.

Lara Heckmann war von Januar bis Mai 2017 Werkstudentin in der KfW und hat seither ihren Plastikkonsum deutlich reduziert.