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Digitaler Alltag in Ruanda

Ruanda macht es vor: Der Alltag ist digital und funktioniert

Das Bild zeigt Felix Povel, der vor seinem Computer sitzt. Auf diesem ist eine Homepage aufgerufen, auf der man Lebensmittel kaufen kann.
Felix Povel kauft einen Teil seiner Lebensmittel unkompliziert und schnell im Internet ein. Die Lieferung erfolgt meist noch am selben Tag.

Ein Gang zum Amt, na toll! Linoleumböden, Warteschlangen, -nummern und -räume, das kann ja heiter werden – und vor allem endlos lange dauern. Aber es muss sein. Ich brauche einen nationalen Personalausweis. Also mache ich mich auf den Weg. Vor Ort ist die Überraschung groß: Meine Daten werden rasch erfasst, ich kann direkt wieder gehen. Ich kam nicht mal dazu, in mein Buch zu schauen, das ich sicherheitshalber eingepackt hatte. Man werde mich informieren, sobald der Ausweis abholbereit sei. Interessant, denke ich, und frage mich, ob das gut gehen kann.

Einige Tage später erhalte ich eine automatisierte Nachricht auf mein Handy. Der Personalausweis sei fertig. Ich bin verblüfft. Aus Deutschland bin ich das jedenfalls nicht gewohnt. Am nächsten Morgen fahre ich erneut zum Amt. Mein Buch habe ich wieder eingepackt, weil ich dem Braten noch nicht ganz traue. Aber es geht wieder ganz schnell. Wenige Minuten nach Ankunft halte ich meinen neuen Ausweis in der Hand und grinse.

Digitale Abläufe sind die Regel

Seit Sommer 2019 sind wir – meine Frau als Leiterin des hiesigen KfW-Büros, unsere Tochter und ich – in Ruanda. Wir haben mit der Zeit gelernt, dass digitale Abläufe bei Behörden nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind. Die Regierung fördert Digitalisierung ganz bewusst und bereits seit längerem, sei es über das Verlegen von Glasfaserkabeln oder strenge Vorgaben zum Ausbau des Telekommunikationsnetzes. Gäbe es in der Landessprache ein Wort für Funkloch, wäre ich überrascht. Kein Wunder, dass in der Hauptstadt Kigali eine pulsierende Startup-Szene von Unternehmen der Informationstechnologie entstanden ist. Auch kaum verwunderlich, dass die Einwohner Ruandas sehr digital-affin sind.

Das erleichtert den Alltag auf ganz unterschiedliche Weise. Einzukaufen auf dem Markt in Kimironko, dem größten in Kigali, ist zweifelsohne ein Erlebnis. Verschiedenste Produkte, Gerüche und Geräusche, geschäftiges Treiben sowie nette, nicht aufdringliche Verkäuferinnen und Verkäufer beeindrucken jeden Besucher. Aber nicht nur mit unserer kleinen Tochter im Schlepptau kann der Marktbesuch auch stressig werden. Daher bin ich mittlerweile dazu übergegangen, Gemüse, Obst, Butter und Käse im Internet zu bestellen. Die Lieferung erfolgt meistens noch am selben Tag und kostet umgerechnet nur einen Euro.

Bezahlt – wenn das Handy des Fahrers vibriert

Zahlungsmittel ist häufig „Mobile Money“, also Geld, das man auf sein Handy geladen hat. Wenn ich abends unterwegs bin, bezahle ich damit bargeldlos ein Taxi, das ich mir vorher per App bestellt habe. Die App ist von einem großen deutschen Automobilunternehmen, das in Ruanda Mobilitätslösungen für Afrika entwickelt und testet. Die für mich anfangs recht mysteriöse Zahlung für die Fahrt läuft so: Ich tippe in mein Handy einen Code, dann den zu zahlenden Betrag, dann die Handynummer des Fahrers und dazwischen eine ganze Menge * und # ein. Wir warten wenige Sekunden, bis das Handy des Fahrers vibriert. Er ist jetzt um den Fahrbetrag in Mobile Money reicher, ich ärmer. Um Wechselgeld und Missverständnisse brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Übrigens nutze ich Mobile Money im Vergleich zu Ruandern sehr selten. Vor allem in ländlichen Gegenden, wo Bankautomaten und Bankfilialen (nicht aber Funklöcher) rar sind, ist dieses mobile Geld für sie von großem Nutzen.

Screenshot der SMS zur Bestätigung der Zahlung über Mobile Money
Taxifahren per App und Mobile Money – völlig normal in Ruanda.

Nach einer ereignisreichen Woche freuen wir uns auf einen ruhigen Sonntagabend. Unsere Tochter ist im Bett. Wir laden Fotos unserer Handys online hoch und gucken parallel einen Film im Internet. Dass der Film kein einziges Mal stockt, weil das Internet langsam ist, wie an einem typischen Sonntagabend in Frankfurt, freut uns noch immer – aber es überrascht uns schon lange nicht mehr.