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Studienkredite für begabte Jugendliche in Lateinamerika

Jugendlichen aus armen Familien ein Hochschulstudium ermöglichen – ein innovatives Finanzierungsinstrument macht es möglich.

Guatemala: Jugendliche Schüler sitzen in einem Klassenraum und schreiben in ihre Hefte.
Studienkredite für begabte, aber arme Jugendliche: Der HEFF-Bildungsfonds.

Um den Zugang von begabten, jedoch benachteiligten Jugendlichen zu Berufs-und Hochschulen in Lateinamerika zu verbessern, fördert die KfW Entwicklungsbank seit 2011 den Bildungsfonds „Higher Education Finance Fund“ (HEFF). Dieser vergibt Bildungskredite an qualifizierte Absolventen von Sekundarschulen aus einkommensschwachen Haushalten. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beteiligt sich die KfW mit 10 Mio. EUR an dem Fonds.

Trotz enormer Fortschritte in den letzten Jahrzehnten sind die meisten lateinamerikanischen Länder weiterhin von sozialer Ungleichheit und Einkommensarmut geprägt. Dies macht sich auch im Bereich Bildung bemerkbar: Nur knapp ein Viertel der Schüler, die erfolgreich eine Sekundarschule besucht haben, strebt einen tertiären Abschluss an. Schüler aus armen Familien studieren weitaus seltener, die meisten von ihnen an öffentlichen Universitäten. Mit der voranschreitenden Privatisierung der tertiären Bildung ist in zahlreichen Ländern Lateinamerikas eine Zweiklassengesellschaft in Bezug auf Bildung entstanden. Viele Familien aus sozial benachteiligten Schichten können sich das Studium an einer privaten Universität nicht leisten. Die Infrastruktur an öffentlichen Universitäten ist veraltet, arbeitsmarktrelevante Studiengänge können sie häufig nicht anbieten. Dies führt, zusammen mit fehlenden Finanzierungsinstrumentarien, oft dazu, dass begabte Jugendliche aus einkommensschwachen Schichten nur sehr geringe Möglichkeiten haben, sich qualitativ hochwertig weiterzubilden.

Aus diesem Grund wurde im Jahr 2011 der Bildungsfonds „Higher Education Finance Fund“ (HEFF) gegründet. Mit dem Fonds werden Studienkredite an begabte Jugendliche aus einkommensschwachen Familien vergeben. Eine Begleitkomponente finanziert verschiedene Beratungs- und Trainingsmaßnahmen und stellt eine intensive Betreuung der Stipendiaten anhand von Tutorenprogrammen sicher. Mikrofinanzinstitutionen (MFI) vergeben die Kredite in den Zielländern, zu denen aktuell Peru, Bolivien, Paraguay, Guatemala, Honduras, die Dominikanische Republik und Costa Rica gehören.

Das Produkt Studienkredit stieß von Anfang an auf hohes Interesse bei den MFI. Das Gesamtvolumen des Fonds beträgt rund 34 Mio. USD, davon stammen 10 Mio. EUR aus BMZ-Mitteln. Mit den derzeit zehn MFI aus sieben lateinamerikanischen Ländern wurden Kreditverträge in Höhe von 31,5 Mio. USD abgeschlossen. Die teilnehmenden MFI erhalten im Rahmen der Begleitkomponente ein spezielles Training, das alle inzwischen abgeschlossen haben. Bis heute haben 11.900 Studierende Kredite erhalten – mehr als ein Drittel davon ging an junge Menschen in Peru.

Etwa 53 % der Kreditnehmer sind weiblich und etwa drei Viertel unter 25 Jahre alt. Darüber hinaus stammen fast 50 % der Kreditnehmer aus Familien, deren monatliches Einkommen weniger als 730 USD beträgt. Das zeigt, dass die Zielgruppe tatsächlich erreicht wird. Die Tatsache, dass es bisher kaum Studienabbrüche gegeben hat, sollte MFI oder andere Finanzdienstleister ermutigen, Studienkredite als nachfrageseitiges Finanzierungsinstrument in ihr Portfolio zu integrieren. Durch die Verbesserung der Berufsbildungschancen für begabte junge Menschen trägt das Projekt ganz wesentlich zur Erreichung des SDG 4 bei. Daneben leistet es einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung und Stärkung der Finanzsysteme Lateinamerikas.