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Spitzenkaffee aus Nicaragua, nachhaltig angebaut

Handgepflückte Kaffeebohnen der Finca Bethania
Handgepflückte Kaffeebohnen der Finca Bethania.

“Finca Bethania” ist ein kleiner Kaffeehersteller im nördlichen Hochland Nicaraguas an der Grenze zu Honduras. Die Natur dort ist üppig, der Boden fruchtbar – gute Bedingungen für den Kaffeeanbau. Betrieben wird das Geschäft von den Schwestern Martha und Ana Albir, die den Kaffee anschließend über ihre Trockenmühle „Cafetos des Segovia“ in der nächsten Stadt namens Mozonte weiterverarbeiten.

Auf 40 Hektar Land werden auf der Finca Bethania ausschließlich Arabica-Pflanzen angebaut, die handgepflückten Bohnen durch spezielle Fermentierungsvorgänge zu einem hochwertigen Spitzenkaffee verarbeitet. Etwa 900 Sack à 70 Kilogramm stellen sie im Jahr her, und Cafetos de Segovia vermarktet ihn vor allem nach Australien, Deutschland und in die USA. Im Vergleich zu großen Kaffeeplantagen sind das geringe Mengen, aber “wir legen Wert auf Qualität und den besonderen Geschmack unseres Spezialkaffees”, sagt Martha Albir.

Und auf Nachhaltigkeit beim Anbau. Finca Bethania braucht 70 % weniger Wasser als konventionelle Kaffeehersteller, weil die Eigentümerinnen neue effizientere Maschinen angeschafft haben und die Farm einen beträchtlichen Teil der Ernte auf natürliche Weise verarbeitet. Als Dünger nutzen sie, wann immer möglich, organische Abfälle, also etwa das nicht benötigte Fruchtfleisch oder die Schale der Kaffeebohne. So brauchen die Schwestern Albir 50 % weniger marktüblichen Dünger.

Höhere Löhne, gutes Essen

Auch soziale Aspekte sind ihnen wichtig. “Wir zahlen mehr und die Arbeitsbedingungen sind insgesamt besser als anderswo”, erzählt Martha Albir. Die Saisonarbeiterinnen und -arbeiter, die zum Pflücken der Bohnen kommen, haben Kost und Logis frei. “In der Erntezeit zwischen Dezember und April stellen wir extra Köche ein, um alle gut zu versorgen.”

Weil Finca Bethania und Cafetos de Segovia nicht mit den herkömmlichen, “industriellen” Methoden arbeiten, sondern ökologische und soziale Aspekte bei der Kaffeeproduktion beachten, sind sie von der NGO Rain Forest Alliance zertifiziert. Und erfüllen zudem die Kriterien für einen Kredit vom eco.business Fund, den die Schwestern Albir auch bekommen und den sie unter anderem für das Anschaffen von neuem Gerät genutzt haben.

Den eco.business Fund hat die KfW Entwicklungsbank 2014 im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zusammen mit der NGO Conservation International und dem Finanzdienstleister Finance in Motion gegründet. Der Fonds verfolgt das Ziel, Anreize für eine “Green Economy” zu schaffen und damit umweltschädliche Produktionsmethoden durch nachhaltige Varianten zu ersetzen.

Eine der Top-Gefahren für die Menschheit

Das geschieht in der Überzeugung, dass sich nur so die Geschwindigkeit verlangsamen lässt, mit der natürliche Lebensgrundlagen verloren gehen. Derzeit weicht noch viel zu oft Wald Ackerland, fallen Wiesen industrieller Landwirtschaft zum Opfer, degradieren Böden, fallen Sümpfe trocken oder sinken Grundwasserspiegel. Dazu kommt der Klimawandel, der ebenfalls tiefe Spuren hinterlässt. Das Weltwirtschaftsforum stuft den Verlust an Ökosystemen und Biodiversität mittlerweile als eine der Top-Gefahren für die Menschheit ein.

Um dem entgegenzuwirken, hat die KfW den eco.business Fund gegründet. In der Regel gewährt der Fonds lokalen Banken “grüne Kreditlinien”, die ihrerseits Darlehen zu günstigen Bedingungen an örtliche Unternehmen vergeben. Diese müssen über Nachhaltigkeitszertifikate zum Beispiel von Rainforest Alliance oder FSC verfügen oder deren Erwerb anstreben. Gefördert werden Firmen in der Land- oder Forstwirtschaft, aus dem Tourismus sowie dem Fischfang.

Die Schwestern Ana und Martha Albir beim Verlesen der Kaffeebohnen
Die Schwestern Ana und Martha Albir.

Seit seiner Gründung hat der Fonds Darlehen von mehr als 570 Mio. EUR an Endkreditnehmer wie die Schwestern Albir ausgezahlt. Und hat dadurch schon viel erreicht. Unter anderem hat er dazu beigetragen, mehr als 4 Millionen Kubikmeter Wasser einzusparen und mehr als 90.000 Hektar Fläche vor Entwaldung zu schützen. Wegen seines großen Erfolgs in Lateinamerika, wo er seinen Anfang nahm, hat ihn die KfW Ende 2019 auf Subsahara-Afrika ausgeweitet.

Aufgeschmissen ohne Kredite

Der eco.business Fund leistet echte Pionierarbeit. Seine Komposition ist besonders, weil er private und staatliche Investoren für den Ressourcenschutz zusammenbringt. Durch die Beteiligung öffentlicher Institutionen entsteht ein Risikopuffer für andere Investoren – das erhöht die Attraktivität des Fonds und zieht mehr privates Kapital an. Inzwischen machen private Investitionen schon 30 % des Gesamtvolumens in Lateinamerika aus.

Ana und Martha Albir hat der Kredit aus dem Fonds jedenfalls geholfen, ihr Business am Laufen zu halten und ihre hohen Qualitätsansprüche zu verwirklichen. “Kredite zu guten Konditionen sind für unser Unternehmen sehr wichtig”, sagt Martha Albir, “ohne sie wären wir aufgeschmissen”. Jetzt hofft die Unternehmerin, dass das Geschäft weiter floriert und ihr besonderer Kaffee noch mehr Liebhaber in Europa findet.

Erfahren Sie mehr zum eco.business Fund:

Broschüre – Impuls für grünes Wirtschaften  (PDF, 1 MB, barrierefrei)

Video zum eco.business Fund (3:00 Min.)