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„Beim Kampf gegen den Klimawandel ist Indien einer unserer wichtigsten Partner“

Der Subkontinent will den Anteil an erneuerbaren Energien bis 2040 auf 40 Prozent steigern

Dileswar Sahoo, Asst. General Manager TATA (links), auf dem Gelände der 400 KV Umspannstation in Hindupur
Die KfW Entwicklungsbank fördert "grüne Korridore", die grünen Strom in indische Industrie- und Bevölkerungszentren transportieren.

Ein Sechstel aller Menschen auf der Erde lebt in Indien. Allein die schiere Größe dieses Landes, das heute rund 1,3 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohner hat und im Jahre 2050 schätzungsweise 1,7 Milliarden haben wird, macht es zu einem entscheidenden Faktor für die Entwicklung des Klimas auf unserem Planeten. „Wir brauchen Indien, um die globalen Umweltprobleme zu lösen“, sagt die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze, „beim Kampf gegen den Klimawandel ist Indien einer unserer wichtigsten Partner.“

Schon jetzt verbraucht Indien die drittmeiste Elektrizität aller Länder und stößt die drittgrößte Kohlenstoffdioxid-Menge aus, jeweils hinter China und den USA. Kohlekraftwerke allein produzieren noch knapp zwei Drittel des Stroms. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll aber bis 2040 auf 40 Prozent steigen.

Dabei steht das Land erst am Anfang seines Weges zu einem entwickelten Industriestaat. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der CO2-Ausstoß pro Kopf sechs Mal so hoch wie in Indien. Aber Indien wächst konstant. Das Bruttosozialprodukt legte in den vergangenen beiden Dekaden im Schnitt um 7,4 Prozent pro Jahr zu. Die Zahl der urbanen Zentren mit mehr als einer Million Einwohnern ist auf 71 gestiegen. Mit der Verstädterung wächst der Bedarf an öffentlichem Nahverkehr und Wohnungen. Ihr Bestand soll sich bis 2030 gegenüber 2018 verdoppeln. Obwohl derzeit nur 30 Prozent der Bevölkerung in Städten leben, sorgen sie schon jetzt für wesentlich größere Schadstoff-Emissionen als die Landbevölkerung.

Die indische Regierung hat sich zur Einhaltung der im Pariser Abkommen festgehaltenen Klimaschutzziele verpflichtet. Ein scheinbar nebenseitiger Aspekt zeigt, welch gewaltige Anstrengungen dabei auf das Land zukommen. Wachsender Wohlstand bedeutet auf dem heißen Subkontinent auch, sich Kühlung leisten zu können. Im Jahr 2016 liefen in Indien 27 Millionen Klimaanlagen. Die Internationale Energie-Agentur prognostiziert, dass es 2050 1,1 Milliarden sein werden. Allein die Temperierung der Wohnungen würde dann, gemessen an den heutigen Verbrauchswerten, doppelt so viel Strom pro Jahr erfordern, wie Deutschland 2018 insgesamt verbraucht hat.

Indien muss ökonomisches Wachstum ökologisch gestalten

Indien kann seine Klimaschutzziele nur erreichen, wenn es ökonomisches Wachstum ökologisch gestaltet. Die KfW unterstützt das Land in diesem Bestreben. „Es ist in unser aller Interesse, dass wir Indien mit nachhaltigen Finanzierungen in Klimaschutz und Infrastruktur in seinem Wachstumsprozess begleiten“, sagt KfW-Vorstand Joachim Nagel. Deshalb hat die KfW in den vergangenen Jahren die finanzielle Förderung ökologischer Vorhaben in Indien hochgefahren. Kredite von rund fünf Milliarden Euro sind allein in den vergangenen sechs Jahren in Projekte des energetischen Hausbaus, der Produktion von Öko-Strom, der Ausweitung effizienter Elektrizitätsnetze und der Entwicklung nachhaltiger öffentlicher Verkehrssysteme geflossen.

eine Hand führt ein Ticket in den Automaten der Metro in Nagpur
Maharashtra Metro in Nagpur.

2019 sind bis Ende des Jahres finanziellen Zusagen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro geplant. Mit 200 Millionen Euro unterstützt die KfW beispielsweise den Bundesstaat Tamil Nadu bei der klimafreundlichen Modernisierung des öffentlichen Transportsystems. Unter anderem sollen von dem Geld 500 Elektro-Busse angeschafft werden, die alte Diesel-Fahrzeuge ersetzen. Darlehen über 250 Millionen Euro und ein Zuschuss von zehn Millionen Euro fließen in den Bau und den Kauf von Wohnungen, die nach ökologischen Kriterien gebaut und bis zu 40 Prozent weniger Energie verbrauchen werden als konventionelle. Mit einem Kredit über eine halbe Milliarde Euro hat die KfW den Bau der Metro in der Millionenstadt Nagpur ermöglicht. Erste Teilstrecken sind im Frühjahr 2019 in Betrieb genommen worden. Der Strom für die Züge der Bahn, die unter den Vorgaben klimaschonender Energieeinsatz und nachhaltige Stadtentwicklung entworfen wurde, stammt zu zwei Dritteln aus Solaranlagen.

Ökologische Lösungen für den öffentlichen Nahverkehr in Indiens Städten

„Grüne urbane Mobilität“ heißt das neue Schwerpunktprogramm, an dem sich die KfW bis 2023 mit einer Milliarde Euro beteiligen wird. Es wurde bei den deutsch-indischen Regierungskonsultationen im November 2019 vereinbart. Gefördert werden unter anderem ökologische Lösungen für den öffentlichen Nahverkehr in den Städten. Ganz überwiegend sind die Menschen dort noch auf motorisierten Zweirädern und in Autos unterwegs. Dieser Individualverkehr sorgt für hohe Schadstoff-Emissionen in den Ballungszentren.

Die „grüne urbane Mobilität“ folgt auf die „grünen Korridore“. Unter dieser Überschrift förderte die KfW mit Krediten in einer Gesamthöhe von einer Milliarde Euro den Ausbau leistungsfähiger Stromleitungen und den Anschluss von Wind- und Solarkraftwerken ans Überlandnetz.