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"Wir packen an und handeln"

Dr. Joachim Nagel, Vorstandsmitglied der KfW, über Klimaschutz als globalen Kraftakt

Dr. Joachim Nagel (Vorstand KfW) in der Maharashtra Metro
Dr. Joachim Nagel auf der Bahnfahrt einer Teststrecke der Mahashtra Metro Rail Cooperation in Nagpur.
Gerade viele junge Menschen fordern heute stärkeren Klimaschutz; sie halten die bisherigen Maßnahmen gegen die Erderwärmung für nicht ausreichend. Was sagen Sie denen? Wo stehen wir vier Jahre nach der Verabschiedung des Pariser Abkommens?

Dr. Joachim Nagel: Das internationale Klimaabkommen hat Bestand – trotz der Skepsis in manchen Hauptstädten, allen voran in Washington. Mehr noch: Wir sehen wachsenden Einsatz für den Klimaschutz in allen Weltgegenden; z.B. in Ländern wie Costa Rica, Kolumbien, Marokko oder Äthiopien, die sich ehrgeizige Klimaschutzziele gesetzt haben. Das Thema erlebt gerade eine erfreuliche Dynamik. Trotzdem müssen wir unsere Anstrengungen noch deutlich beschleunigen. Schließlich geht es darum, die Weltwirtschaft nachhaltig zu verändern. Wir können und dürfen die Hauptlast des Klimaschutzes nicht der nächsten Generation überlassen.

Gilt das Beschleunigen auch für die KfW?

Auf jeden Fall. Wir werden unser Engagement im In- und Auslandweiter ausbauen.

Was haben Sie denn bisher gemacht? Gemessen am Problem, offenbar nicht genug ...

So formuliert, mag das stimmen. Aber wir setzen uns seit Jahren stark für den Klima- und Umweltschutz ein und sind einer der größten Klimafinanziers weltweit. Und das gilt selbst im Vergleich zu großen multilateralen Organisationen wie der Weltbank. Etwa 155 Mrd. EUR hat die KfW insgesamt in den vergangenen fünf Jahren für Umwelt- und Klimaschutz sowie Anpassung an den Klimawandel investiert, davon entfallen 23 Mrd. EUR auf die Entwicklungsbank. Wir bauen die Nutzung erneuerbarer Energien in allen Weltgegenden aus. In Deutschland finanzieren wir die Energiewende. Für eine nationale Förderbank ist das eine ganze Menge.

Inwiefern wollen Sie Ihr Engagement erweitern?

Wir wollen noch mehr Mittel in Sachen Klima bereitstellen. Aber es geht nicht allein um höhere Summen, obwohl wir die auch brauchen. Gefragt sind zugleich intelligente Ansätze und neue Ideen, um die Wirtschaft grün zu machen. Dass die KfW innovativsein kann, haben wir in unserer 70-jährigen Geschichte oft genug bewiesen: Ob Effizienzstandards, Mikrofinanzen, Klimaschutzversicherungen oder Green Bonds – wir waren immer wiederideenreich unterwegs, oft als Vorreiter. Das behalten wir bei. Außerdem arbeiten wir daran, die KfW zur Nachhaltigkeitsbank der Zukunft auszubauen.

Das klingt erst mal gut, aber was bedeutet es genau?

Dass wir vor einem echten Kraftakt stehen: Wir richten unser gesamtes Fördergeschäft auf die Pariser Klima-Agenda und die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) aus. Das heißt, wir untersuchen unsere Projekte hinsichtlich ihrer Zukunftstauglichkeit. Zudem wollen wir die Risiken offenlegen, die der Klimawandel für uns, unser Fördergeschäft und unsere Kunden mit sich bringt.

Welche Schritte müssen dafür unternommen werden?

Als eine der ersten Förderbanken überhaupt haben wir uns 2018einer internationalen Initiative namens TCFD, einem Offenlegungsstandard, angeschlossen. Und wir nehmen uns für die Entwicklungsbank vor, die Treibhausgaswirkungen unserer Finanzierungen systematisch zu erfassen – sowohl den sogenannten Carbon Footprint als auch die eingesparten CO2-Emissionen.Durch ein sogenanntes SDG-Mapping, das wir gerade aufbauen, können wir schließlich unsere Beiträge zu den jeweiligen SDGs benennen. Kurz gesagt, auch wir als Bank befinden uns in einer Phase des grundlegenden Umbruchs.

Ein großes Problem ist der Transportsektor, bei dem es bisher nur in Ansätzen klimafreundliche Lösungen gibt. Wird die KfW die Verkehrswende genauso ambitioniert vorantreiben wie die Energiewende?

Das haben wir vor. Nachhaltige Mobilität wird eines unserer großen Zukunftsfelder sein. Denn hier steht ebenfalls ein tiefgreifender Wandel bevor, nicht zuletzt in den Entwicklungsländern. Und auch wenn es nur ein kleiner Beitrag ist: Mein neuer Dienstwagen ist ein E-Auto.