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Öl-Explorationsbohrungen im KAZA-Gebiet in Namibia

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (dt. EZ) unterstützt das grenzüberschreitende KAZA-Schutzgebiet sowie weitere staatliche und kommunale Schutzgebiete in Namibia im Rahmen der Aktivitäten der bilateralen und regionalen Entwicklungszusammenarbeit im Auftrag des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Gemäß unserem Kenntnisstand hat die Firma ReconAfrica für drei Gebiete (zwei in Nordost Namibia und eines in Nordwest-Botswana) grundsätzliche Explorationslizenzen erhalten. Die Gebiete in Namibia liegen am Rande des grenzüberschreitenden KAZA-Gebiets, von dem Kavango Fluss liegen sie 60-100 km entfernt.

Aktuell gibt es eine konkrete Genehmigung des namibischen Staates für zwei bis drei Testbohrungen, um herauszufinden ob Öl- und/oder Gasvorkommen vorhanden sind. Für die Testbohrungen wurden nach Auskunft des namibischen Umweltministeriums die notwendigen Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt und erst auf dieser Basis die Freigabe, das sogenannte „clearance certificate“ erteilt.

Parallel zu den Testbohrungen sollen seismologische Untersuchungen durchgeführt werden. Derzeit wird dafür eine Umweltverträglichkeitsstudie durchgeführt. Die Frist, in der die interessierte Öffentlichkeit, die Anwohner und Stakeholder Fragen und Kommentare einreichen können wurde auf Grund des starken öffentlichen Interesses verlängert.

Derzeit gibt es keine Genehmigung für „Fracking“ (weder im Rahmen der Testbohrungen noch für eventuell künftige Förderung). Anderslautende Äußerungen seitens ReconAfrica sind missverständlich oder irreführend.

Nach vorliegenden Erfahrungen sind 95 % der Explorationslizenzen nicht erfolgreich. Namibische Geologen, die sich gut mit den Verhältnissen in den Explorationsgebieten auskennen, sind sehr skeptisch hinsichtlich der Erfolgsaussichten. Sollten jedoch die Testbohrungen und seismologischen Untersuchungen auf förderungswürdige Öl- und Gasvorkommen hindeuten, würde für die tatsächliche Förderung ein neuer Genehmigungsprozess mit entsprechend vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfungen erforderlich sein. Aktuell ist allerdings noch unklar, ob in der Region Öl oder Gas gefunden werden kann.

Die KfW und andere Institutionen der dt. EZ sind mit dem namibischen Umweltministerium und den namibischen sehr qualifizierten Umweltorganisationen (z. B. Namibia Chamber of Environment, Namibia Nature Foundation, Namibian Association of Community Based Natural Resource Management Support Organisations-NACSO) im Gespräch und tauscht sich regelmäßig mit Ihnen zu möglichen ökologischen und sozialen Auswirkungen der geplanten Ölbohrungen aus.

Aufgrund des hohen Stellenwerts des Naturschutzes in der namibischen Verfassung, der großen Relevanz des naturbasierten Tourismus und der guten Umweltgesetzgebung gehen wir derzeit davon aus, dass die namibische Regierung und die namibische Öffentlichkeit und Fachwelt die Entwicklungen sehr genau verfolgen und sicherstellen werden, dass die Explorationsuntersuchungen in der Kavango Region unter Einhaltung und Berücksichtigung aller gültigen Gesetze und Regelungen erfolgen wird. Dies gilt insbesondere auch für eine sorgfältige Abwägung aller wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekte. Die kritischen namibischen Umwelt-Organisationen haben dazu intensive Gespräche mit der namibischen Regierung und ReconAfrica aufgenommen.

Nach dem jetzigen Stand sehen wir die Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Schutz der Umwelt und natürlicher Ressourcen in Namibia und in der KAZA-Region durch die Explorationsbohrungen nicht gefährdet. Wir werden die Situation weiter beobachten und ggf. im Rahmen unseres Mandates als Durchführungsorganisation der Bundesregierung weitere Schritte in Bezug auf die Ausgestaltung und den Ablauf unserer Finanzierungsbeiträge für KAZA unternehmen. Wir möchten aber auch darauf hinweisen, dass die KfW keinen direkten Einfluss auf Lizenzvergaben oder staatliche Genehmigungen durch die nationalen Behörden hat. In verschiedenen, die KfW betreffenden Stellungnahmen wurde in der deutschen und internationalen Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, dass ein sofortiger Stopp unseres Engagements im KAZA Programm unmittelbar zur Einstellung der Explorationsbohrungen führen könnte. Diese Erwartung ist höchst unrealistisch. Vielmehr würde ein solcher Stopp sofort die Gesamtfinanzierung des KAZA Programms gefährden. Die progressiven, um einen nachhaltigen Naturschutz bemühten Kräfte in der Region würden geschwächt und negative Auswirkungen für den Schutz von Biodiversität und Lebensgrundlagen der betroffenen Menschen in einem grenzüberschreitenden Gebiet von der Größe Spaniens wären unvermeidlich. Dies alles in einer aktuellen weltweiten Pandemiesituation, die ohnehin bereits einen hohen Stressfaktor für die Naturschutzbemühungen im südlichen Afrika darstellt.