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Ruanda: COVID-19 im Land der tausend Hügel

Meldung vom 20.05.2020

Jedes Jahr Anfang April kommen Ruander mit ihren Familien und Freunden zusammen, um der Menschen zu gedenken, die sie durch den Völkermord an den Tutsi 1994 verloren haben. Das ist eine schwierige Zeit für die Ruander, aber in diesem Jahr hat COVID-19 die Gedenkfeiern noch zusätzlich erschwert, berichtet Alice Kayumba, Office Managerin des KfW-Büros in Kigali.

Gedenken an den Völkermord während des Lockdowns

Ruanda hat schnell reagiert, als Mitte März der erste COVID-19-Fall bekannt wurde. Auf erste Vorsichtsmaßnahmen folgte ein landesweiter Lockdown bis zum 1. Mai. Fast alle Regierungsbehörden, internationalen Entwicklungsorganisationen und auch das KfW-Büro verlagerten ihren Betrieb sogleich ins Home Office und kommunizieren seither per Telefon und über das Internet.

Als der 26. Jahrestag des Völkermords an den Tutsi näher rückte, wurden alle offiziellen Feierlichkeiten abgesagt. Die Menschen waren es gewohnt, an den Orten zu trauern, die auch mit dem Andenken an ihre Lieben verbunden sind, aber wegen Corona finden die 100 Tage des Gedenkens an den Völkermord an den Tutsi 1994 auf ungewöhnliche Weise statt. IBUKA ("remember"), eine Nichtregierungsorganisation mit dem Auftrag, die Erinnerung an den Völkermord lebendig zu halten und für die Rechte und Interessen der Überlebenden einzutreten, hat hierzu verschiedene Möglichkeiten angeregt: So können betroffene Familien Internet-Plattformen nutzen, um über ihre ermordeten Angehörigen zu sprechen und sich in Gruppen jeweils von zuhause aus gemeinsam erinnern. Auch Hotlines wurden eingerichtet, um während der Trauerzeit ihre Dienste anzubieten und sich um Bedürftige zu kümmern.

Frauen in Uganda schöpfen Wasser am Brunnen ab
Die Versorgung von sauberem Trinkwasser ist in Zeiten von Corona wichtiger denn je.

Soziale Auswirkungen der Krise

Während die Zahl der neuen Fälle während des Lockdowns konstant und auf einem relativ niedrigen Niveau geblieben ist, werden die sozialen Auswirkungen wohl erheblich sein. 40 % der Bevölkerung leben schon jetzt unter der nationalen Armutsgrenze, und der informelle Sektor macht einen großen Teil des Arbeitsmarktes aus. Für Menschen, die davon abhängig sind, werden die wirtschaftlichen Folgen besonders schwerwiegend sein. Vor diesem Hintergrund hat die Regierung rasch ein Konjunkturprogramm angekündigt, das erweiterte Maßnahmen zur sozialen Unterstützung beinhaltet.

Doch viele Menschen haben auch freiwillig etwas beigetragen, etwa indem sie Geld und andere wichtige Dinge wie Nahrungsmittel für hilfsbedürftige Familien zusammengelegt haben.

Unter Hallendächern in offener Ständerbauweise findet ein Markt statt, auf dem Textilien angeboten werden.
Dichtes Gedränge - hier auf einem Textilmarkt - wie es zu Zeiten vor Corona herrschte.

Das KfW-Team in Kigali sammelt Erfahrungen im Home Office

Während das Land seinen Kampf gegen Corona fortsetzt, arbeiten die Büro-Mitarbeiter weiterhin von zu Hause aus und unterstützen die Projekte virtuell. "Home Office ist in Ruanda noch kein gängiges Modell. Da unser Büro auch dazu dient, die Kollegen in Frankfurt bei der Koordination mit den Partnern in Ruanda zu unterstützen, sind wir auf persönliche Kontakte, Arbeitstreffen und offizielle Zusammenkünfte angewiesen. Die Situation hat unseren Arbeitsalltag völlig verändert", sagt Büroleiterin Charlotte Povel.

Als Office Managerin hat Alice Kayumba nicht nur die Aufgabe, die Verwaltung des Büros zu leiten, sondern auch die Arbeitsabläufe zu erleichtern und den Teamgeist zu pflegen. Im Vorfeld der Lockdown-Phase ging es vor allem darum, dass im Büro alle behördlichen und KfW-seitigen Vorgaben eingehalten werden mussten, darunter die Abstands- und Hygieneregeln. Hinzu kam die technische Ausstattung der Mitarbeiter, die nun von zu Hause aus arbeiten mussten. Alice Kayumba erzählt: "Die Abriegelung war am Anfang seltsam, aber ich schaffte es, damit fertig zu werden, indem ich positiv blieb und den größten Teil meiner Zeit für produktive Aktivitäten nutzte. Für mich ist es eine tägliche Herausforderung, während des Lockdowns fit und aktiv zu bleiben. Ich habe gemerkt, dass ich mich beim Training tendenziell besser fühle, ruhiger bin und gut schlafe, und das hat mir wirklich geholfen, motiviert zu bleiben. Ich hoffe, dass ich diese positive Erfahrung an die Kollegen in unserem Büro weitergeben kann.“

Gemäß dem Anspruch Ruandas, die führende IKT-Drehscheibe in Afrika zu werden, hat die Regierung in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen, um die öffentlichen Dienste zu digitalisieren und ein IKT-freundliches Geschäftsumfeld zu schaffen. "Auch wenn wir Mitte März recht plötzlich ins Home Office umgezogen sind, ist die Kommunikation mit unseren Partnern auf regelmäßiger und virtueller Basis fortgesetzt worden. Mobiles Geld, Online-Banking und andere digitale Dienste haben ihrerseits dazu beigetragen, Transaktionen und den Einkauf von Lebensmitteln zu erleichtern", sagt Yves Tuyishime, Projektkoordinator für Dezentralisierung und Energie.

Lokale Fachkraft, Annalyse Umunyana, im KfW Büro Kigali im Home Office mit ihrem Baby.
Annelyse Umunyana, lokale Fachkraft im KfW Büro Kigali, beim Multi-Tasking im Home Office.

Obwohl es in Ruanda eine allgemeine Schulpflicht gibt, ist das Bildungsniveau immer noch recht niedrig. Jacques Niyonsenga, Fahrer und Logistiker des Büros und Vater von vier Kindern, weiß, wie wichtig Bildung für seine Kinder ist. Der Umstieg aufs Home Office war für ihn eine Herausforderung, da er für seine Aufgaben normalerweise vor Ort sein muss. Doch während er nun alle notwendigen Schritte zur Wiedereröffnung des Büros vorbereitet, hat er auch erkannt, dass "Zuhause zu bleiben eine Gelegenheit ist, Zeit mit meiner Familie im Dorf zu verbringen. Und meinen Kindern zu helfen, während des Lockdowns weiter zu lernen. Denn auch wenn die Schulen noch eine Weile geschlossen bleiben, ist Bildung nach wie vor wichtig.“

Mit mehr als 60 % Frauen im Parlament ist Ruanda eines der Länder, in denen die Gleichberechtigung am weitesten fortgeschritten ist. Daher war es für Annelyse Umunyana, Senior-Projektkoordinatorin für Berufsausbildung und Finanzsektor, nie ein Problem, eine berufstätige Mutter zu sein. Dennoch resümiert sie: "Zu Hause zu arbeiten ist eine echte Herausforderung, wenn ein zehn Monate altes Baby um deine Aufmerksamkeit bittet. Heimarbeit und Familienleben unter einen Hut zu bekommen ist eine neue Erfahrung, da man nicht acht Stunden Zeit hat, sich zu konzentrieren. Oft ist Multi-Tasking angesagt, wenn Arbeit und häusliche Aktivitäten gleichzeitig auf dem Plan stehen. Und man Besprechungen leiten muss, während das Baby im Hintergrund brabbelt.“

Update vom 08.07.2020