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Kongo: Corona wird schlimmer als Ebola

Seit dem 10. März hat das Corona-Virus auch die demokratische Republik Kongo erreicht. Betroffen ist vor allem die Hauptstadt Kinshasa. KfW-Außenbüroleiterin Verena Seiler schildert Eindrücke zum Umgang mit Corona inmitten der Ebola-Epidemie.

Über 800 Infizierte und über 30 Todesfälle gab es in den letzten Wochen durch Covid-19. Hauptsächlich betroffen ist die Hauptstadt Kinshasa, einzelne Fälle wurden jedoch auch in weiteren Provinzen gemeldet. Wie in den meisten afrikanischen Ländern ist die Testkapazität sehr gering, weswegen auch hier die Dunkelziffer um einiges höher liegen dürfte. Mittlerweile werden rund 300 Tests pro Tag durchgeführt. Bisher sind die Zahlen im Vergleich zu anderen Ländern noch recht niedrig, die Entwicklung bleibt jedoch ungewiss – die Durchführung von Tests im Gefängnis der Hauptstadt hat in den letzten Tagen zu einem größeren Anstieg der Zahlen geführt. Eine verlässliche Aussage zum Stand des Gesundheitssystems gibt es derzeit auch nicht, es wird geschätzt, dass etwa 300 Intensivbetten zur Verfügung stehen – die Regierung versucht mit Hilfe internationaler Geber diese Kapazitäten aufzustocken.

Eine Ausgangsperre sollte zunächst für die gesamte Hauptstadt Kinshasa verhängt werden, jedoch zeigte sich schnell, dass das nicht umsetzbar war. Ein Großteil der Bevölkerung ist darauf angewiesen, täglich für seinen Lebensunterhalt zu sorgen und so das Überleben der Familie zu sichern. Da die Menschen in extremer Armut leben, verfügen sie nicht über größere Reserven. Dadurch gab es Bedenken, dass eine Ausgangssperre, die die Menschen zwingt, zuhause zu bleiben, massive Sicherheitsprobleme nach sich ziehen könnte.

Viele Menschen, die vor einen Brunnen stehen, um Wasser zu holen.
Gerade in Zeiten von Corona und Ebola ist die Versorgung mit sauberem Trinkwasser unverzichtbar.

So wurde ab dem 5. April eine Ausgangsperre nur für Kinshasas Geschäftsviertel Gombe verhängt, das auch am meisten von Corona betroffen ist. Hier lebt die wohlhabende Bevölkerungsschicht, zudem befinden sich hier Botschaften, Geschäfte und Büros. Auch das Stadtzentrum wurde abgeriegelt und kann seitdem nur mit einem Passierschein betreten werden. In den anderen Vierteln ist das öffentliche Leben zumindest eingeschränkt, da viele versuchen, außer für notwendige Einkäufe, zuhause zu bleiben. Schulen und Kirchen sind weiterhin geschlossen. Diese begrenzte Ausgangssperre und die zusätzlich erlassenen Einschränkungen hinsichtlich Waren- und Personenverkehr haben die lokale Wirtschaft bereits einbrechen lassen. Diese hängt aufgrund der Rohstoffexporte zudem stark von der Weltwirtschaft ab. Die Angst vor einem massiven Anstieg von Unter- und Mangelernährung ist groß in einem Land in dem bereits vor der Corona-Pandemie über 4,5 Millionen intern Vertriebene lebten und über 1 Million Kinder unter 5 Jahren an Unterernährung litten.

Auch für das KfW-Büro bedeuten die Corona-Bekämpfungsmaßnahmen eine Umstellung. „Meine Familie und ich sind Mitte März nach Deutschland ausgereist“, erzählt Büroleiterin Verena Seiler. „Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, unsere Arbeit und unser Leben sind vor Ort und wir wollten die Menschen in so einer Situation nicht alleine lassen. Gleichzeitig konnten wir mit zwei kleinen Kindern aufgrund der geschlossenen Grenzen und der fragilen Gesundheitsversorgung keine andere Entscheidung treffen.“ Alle lokalen Mitarbeiter sind vor Ort im Home Office und arbeitsfähig. Die Kommunikation funktioniert gut und auch Termine mit Partnern können virtuell wahrgenommen werden – einige Behörden und Ministerien sind jedoch deutlich schwerer zu erreichen. Die Büromitarbeiter, Georges Ngindu und Claver Hambadiahana, berichten auf die Frage nach den größten Herausforderungen von den Schwierigkeiten, die regelmäßige Strom- und Wasserausfälle bereiten und von den hohen Preissteigerungen auf dem lokalen Markt – angetrieben durch die Transport- und Importbeschränkungen im Land. Dazu kommen die Schwierigkeiten, Kinderbetreuung, -schulbildung und Home office unter einen Hut zu bekommen und der fehlende direkte Austausch im Büro, der auch den Kollegen in Deutschland zu schaffen macht. Dass mit so vielen Partnern so gut virtuell und digital kommuniziert werden kann ist dafür eine der positiven Lehren der Phase der Ausgangssperre.

Buntes Markttreiben im Kongo
Dichtes Gedränge wie es sonst auf einem Markt in Mudaka im Osten des Landes herrscht.

Die Regierung versucht, mit geeigneten Maßnahmen die Situation zu beruhigen, und hat unter anderem angekündigt, dass die Strom- und Wasserversorgung die nächsten zwei Monate kostenlos sein wird. Auch die KfW Entwicklungsbank trägt im Auftrag der deutschen Bundesregierung dazu bei, die Menschen in ihrem schwierigen Alltag zu unterstützen, etwa durch die Finanzierung dringend benötigter, aber knapper Betriebsmittel wie Chlor. So kann zumindest die Wasserversorgung in den nächsten Wochen aufrechterhalten werden, nicht allein in Kinshasa, sondern auch in 19 weiteren mittelgroßen Städten. Weitere Maßnahmen befinden sich in Vorbereitung, darunter Hilfen für kleine und mittelständische Unternehmen und die Aufstockung von Mitteln zur Ernährungssicherung.

Aber Corona ist nicht die einzige Pandemie, die dem Land zusetzt. Seit 2018 verzeichnet der Osten Kongos den weltweit zweitgrößten Ausbruch von Ebola – seit 2019 kämpft es zudem gegen den weltweit größten Masernausbruch, der bisher über 6,000 Tote gefordert hat. Anfang März bestand die große Hoffnung, dass die Ebola-Pandemie vorüber sein könnte, nachdem der letzte Patient als geheilt entlassen und keine neue Infektion mehr gemeldet wurde. Das änderte sich jedoch kurz bevor das mutmaßliche Ende von Ebola verkündet werden konnte: nach einer neuerlichen Infektion ist die Zahl der Betroffenen mittlerweile wieder auf 7 gestiegen. Ein großes Problem besteht in dem betroffenen Landesteil darin, dass den medizinischen Teams vielfach mit Misstrauen begegnet wird und der Ausbruch in einem aufgrund der Sicherheitslage schwer zugänglichen Gebiet stattfindet, was eine gewissenhafte Arbeit der Ärzte erschwert. Dennoch rücken die Ebola- und Masern-Epidemien angesichts der neuen Herausforderungen durch Corona in den Hintergrund. Und leider ist auch zu befürchten, dass Corona dem Land weitaus stärker zusetzen könnte als Ebola. Unser Büromitarbeiter Franck Madimba hofft, dass aus der Krise ein stärkeres Bewusstsein für die Anfälligkeit der Gesundheitssysteme und für die Gefahr, die dadurch für die Wirtschaft ausgehen kann, erwächst und dies die Ausrichtung der Politik auch positiv beeinflussen kann.