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Georgien: Der Zusammenbruch des internationalen Tourismus trifft die Kaukasusrepublik hart

Meldung vom 03.06.2020

Georgien gilt als Reformchampion in Osteuropa und Zentralasien. Der Regierung gelang es, die Korruption zu bekämpfen, das Investitionsklima zu verbessern und sich als Transitland und Ziel für anspruchsvolle Touristen aus aller Welt zu etablieren. Mit der Corona-Krise bleiben Touristen und Geschäftsleute aber aus und Georgien stürzt in eine tiefe Wirtschaftskrise. Die KfW unterstützt die Kaukasus-Republik bei der Abfederung der Folgen der Krise für die Bevölkerung.

Die georgische Regierung reagierte schnell und umfassend auf die Corona-Krise. Noch bevor die erste Infektion offiziell gemeldet wurde, führte Georgien eine Zwangsquarantäne für Reisende aus Ländern ein, die von dem Virus besonders betroffen sind – hierzu zählt seit dem 12. März auch Deutschland. Mit dem Ausruf des nationalen Notstands am 21. März wurden alle Grenzen des Landes sowie alle internationalen Flughäfen für den alltäglichen Personenverkehr geschlossen. Die Schließung aller Geschäfte, Restaurants und Hotels, die Einstellung des öffentlichen Personennahverkehrs und sogar des privaten Autoverkehrs sowie eine nächtliche Ausgangssperre brachten das öffentliche Leben am orthodoxen Osterfest Mitte April vollständig zum Erliegen. Im Vergleich zu Deutschland leben viele Georgier mit ihren Eltern und Großeltern in einem gemeinsamen Haushalt. Das trug zu einem breiten Verständnis in der Bevölkerung für die drastischen Einschränkungen im Privatleben bei.

Menschenleere Gasse in Georgien
Verwaiste Straßenzüge in der touristischen Altstadt der georgischen Hauptstadt Tiflis.

Mit diesen konsequenten Maßnahmen gelang es der georgischen Regierung, die Ausbreitung des Corona-Virus erfolgreich einzudämmen. Dafür wurde sie wiederholt von internationalen Beobachtern, wie z. B. der Weltgesundheitsorganisation, gelobt. Bis Ende Mai 2020 gab es in Georgien nur 794 bestätigte Infektionen und 12 Todesfälle.

Parkautomat mit Hinweis
Stay Home: Anzeigentafel des öffentlichen Nahverkehrs vor der Philharmonie in Tiflis.

Die wirtschaftlichen Folgen der Krise wiegen aber sehr schwer. Der Tourismus, der in den vergangenen Jahren stark zugenommen hatte und für rund 20 % der Wirtschaftsleistung Georgiens verantwortlich ist, kam komplett zum Erliegen. Dies hat verheerende Auswirkungen für Hotels und Restaurants, aber auch für die Bewohner nahe der georgischen Nationalparks, die mit Hilfe der deutschen Entwicklungszusammenarbeit aufgebaut worden sind (siehe auch Ein ökologischer Schatz auf KfW-Stories) und viele Touristen anlocken. Der Dienstleistungssektor, die Landwirtschaft und das produzierende Gewerbe sind ebenfalls hart von der Krise getroffen. Für das Jahr 2020 wird daher mit einer tiefen Rezession und einem rapiden Anstieg der Armut im Land gerechnet.

Die georgische Regierung bat internationale Entwicklungspartner (darunter auch die KfW) schon Anfang März um Unterstützung, um die medizinischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Krise für die Bevölkerung abzufedern. Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bereitet die KfW seitdem in enger Abstimmung mit der Weltbank eine Reformfinanzierung zur Stärkung der Krisen-Resilienz der georgischen Wirtschaft vor. Außerdem ist eine finanzielle Beteiligung am Unterstützungspaket geplant, das besonders stark betroffenen Bevölkerungsgruppen über die größten Engpässe hinweghelfen soll. Dazu gehören zum Beispiel informell Beschäftigte, Angehörige von ethnischen Minderheiten und Binnenvertriebene.

Seit dem 18. März ist das KfW-Büro in Tiflis geschlossen und alle Mitarbeiter arbeiten von zuhause aus. Treffen mit Partnerministerien, anderen Entwicklungspartnern und der KfW-Zentrale in Frankfurt finden nur noch virtuell statt.

Für Natia Gozalishvili, Projektassistentin im Büro, war das Arbeiten im Home Office am Anfang eine Herausforderung. Sie erzählt: „Wir haben eine kleine Wohnung und ich musste für mich einen geeigneten Platz finden, um ungestört von meiner Familie arbeiten zu können, die ja auch den ganzen Tag zu Hause war. Ich fand auch heraus, wie bequem mein Stuhl im Büro war. Aber nach über zwei Monaten im Homeoffice bin ich in der Arbeitsroutine angekommen und die virtuellen Treffen mit Kolleginnen und Kollegen funktionieren recht gut. Das Schwierigste, nicht nur für mich, sondern für alle, war, dass das soziale Leben der Menschen eingeschränkt wurde. Was früher zum Alltag gehörte, war plötzlich nicht mehr möglich. Auch der wichtigste Feiertag Georgiens, der Unabhängigkeitstag am 26. Mai, der normalerweise mit einem schönen Feuerwerk, Messen, Konzerten und anderen öffentlichen Veranstaltungen begangen wird, fand in diesem Jahr nicht wie gewohnt statt.“

Die georgische Regierung versucht seit Mitte Mai, das Land schrittweise wieder zu öffnen, ohne dabei eine zweite Infektionswelle zu riskieren. Der nationale Notstand wurde am 22. Mai aufgehoben. Geschäfte und Büros dürfen unter strengen Hygieneauflagen öffnen. Dazu gehören Maskenpflicht in gemeinsam genutzten Räumen, tägliches Fiebermessen bei allen Mitarbeitern und eine tägliche Desinfektion. Das KfW-Büro bereitet sich gerade darauf vor, diese Vorschriften umzusetzen, um eine Rückkehr zum Normalbetrieb zu ermöglichen.

Leere Straße in Amman
KfW-Büromanager Giorgi Chkuaseli beim Fiebermessen am Eingang des Bürogebäudes.

Anfang Juli will das Land wieder für den internationalen Tourismus öffnen. Die Einkünfte aus dem Fremdenverkehr sind eine wichtige Voraussetzung, um die wirtschaftlichen Folgen der Krise rasch zu überwinden. Trotz dieser positiven Entwicklung wird viel Zeit vergehen, bis Georgien sich von den Folgen der Corona-Krise erholt. Bis dahin wird das Land weiter auf ausländische Unterstützung angewiesen sein.