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Der Corona-Krise zum Trotz: Benin treibt Ausbau der Wasserversorgung im Eiltempo voran

Meldung vom 26.05.2020

Benin, wo es – Stand 13. Mai - laut beninischer Regierung 327 offiziell bestätigte Sars-CoV-2-Infektionen gibt, geht verglichen mit den Nachbarländern einen Sonderweg. Während beispielsweise Nigeria längst eine Ausgangssperre verhängt hat, will die Regierung das vermeiden. Denn ein „shutdown“ nach europäischem Muster hätte dramatische Folgen für die Bevölkerung. Dr. Günter Roos ist seit knapp zwei Jahren Büroleiter für die KfW in Cotonou und arbeitet weiterhin vor Ort. Er beschreibt den Projektalltag – die Bauarbeiten in einem Wasserversorgungsprojekt - und einen Projektbesuch unter Corona-Bedingungen.

Im Februar haben die Bauarbeiten des FZ-Vorhabens zur Förderung der randstädtischen Wasserversorgung im Großraum Cotonou begonnen. Mitarbeiter des Projektträgers SONEB (Société National des Eaux du Bénin), des zuständigen Ingenieurbüros, der Baufirma und des KfW-Büros in Cotonou haben sich Anfang Mai ein Bild vom aktuellen Umsetzungsstand gemacht.

Die Lagerhallen und Container der Baufirma sind reichlich mit Material gefüllt. Die Lieferungen aus Übersee trafen noch rechtzeitig vor Ausbruch der Corona-Krise im Hafen von Cotonou ein. Die in Ghana produzierten PVC-Rohre konnten ebenfalls noch vor den Grenzschließungen angeliefert werden. „Glück gehabt“, sagt der für das Vorhaben zuständige SONEB-Mitarbeiter.

Druckrohrformstücke in Lagerhalle in Benin
Druchrohrformstücke - noch rechtzeitig aus Übersee eingetroffen.

Nach offiziellen Angaben trat der erste Corona-Fall in Benin am 16. März auf. Die beninische Regierung hat schnell und umsichtig reagiert. Sie beschloss drei Tage später, dass alle Reisenden, die Benin auf dem Luftweg erreichen - auch bei Nichtvorliegen von Symptomen - zu einer 14-tägigen Quarantäne in ein Hotel eingewiesen werden. Zwei Wochen später wurde ein „Cordon sanitaire“ (Sperrgürtel) um die am meisten von der Pandemie bedrohten Kommunen eingerichtet, zum Schutz der restlichen Landesteile. Er wurde am 11. Mai wieder aufgehoben. Seit dem 8.April, nur drei Wochen nach Auftreten des ersten Falls, gilt die Pflicht zum Tragen von Schutzmasken. Zunächst nur innerhalb des Sperrgürtels. Nun gilt sie landesweit.

Verwaltung, Unternehmen, Geschäfte, Restaurants sind weiterhin geöffnet

Die Regierung verzichtet ausdrücklich aus wirtschaftlich-sozialen Gründen auf einschneidendere Maßnahmen, da diese im armen Benin mehr Schaden anrichten würden, als sie verhindern. Das scheint vernünftig: Viele Menschen im informellen Sektor verdienen heute, was sie morgen zum Leben brauchen. Ein „shutdown“ nach europäischem Muster hätte dramatische Folgen. Hinzu kommt, dass die Bevölkerungsstruktur sich deutlich von der in Europa unterscheidet: Die durchschnittliche Lebenserwartung in Benin liegt bei 59 Jahren. Nur 7 % der Bevölkerung sind älter als 60. Das Durchschnittsalter liegt bei 22 Jahren. So bleiben öffentliche Verwaltung, Unternehmen, Geschäfte, Restaurants weiterhin geöffnet. Geschlossen wurden Bars, Diskotheken, Sportclubs und sonstige Vergnügungsstätten. Mit groß angelegten Sensibilisierungskampagnen wird die Bevölkerung über Präventionsmaßnahmen informiert.

Bauarbeiter während Corona in Benin
Die Bauarbeiter tragen auch beim Graben einen Mundschutz.

Auch die Bauarbeiter auf der Baustelle tragen Schutzmasken - eine Qual bei den aktuellen Wetterverhältnissen. Zusätzlich tragen sie Leuchtwesten und Helme. Sie schaufeln seit drei Monaten bei durchschnittlich 30 Grad und 80 % Luftfeuchtigkeit 1 m tiefe und 40 cm breite Gräben durch den roten Lehm. Dicht gefolgt von weiteren Bautrupps, die graue PVC-Rohre verlegen, sie mit Druckrohrformstücken verbinden, die Gräben wieder zuschütten, blaue Trassenwarnbänder ausrollen und die Erde wieder verdichten. Die Besichtigung des Bauabschnittes dauert 20 Minuten. Die Bautrupps zogen in Windeseile an den Besuchern vorbei und verlegten während dieser kurzen Zeit über 100 m Rohre. Parallel hierzu führen kleinere Arbeitseinheiten erste Drucktests durch. Sind die Rohrverbindungen dicht? Halten sie dem Druck stand? 110 km von über 300 km geplanten Rohrleitungen sind bereits verlegt. Bisher musste nur an zwei Stellen nachgebessert werden.

Nach Abschluss dieser und weiterer Bauarbeiten werden 250.000 Personen erstmaligen oder verbesserten Zugang zu nachhaltiger Trinkwasserversorgung haben.

Die beninische Regierung hat sich bereits vor der Corona-Krise ehrgeizige Ziele gesetzt, um die gesamte Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser versorgen zu können, in diesem Jahr wird die KfW im Auftrag der Bundesregierung das laufende Wasserportfolio im Land auf 45 Mio. EUR ausbauen.

Jetzt wird die Wasserinfrastruktur erst recht dringend benötigt, um die erforderlichen Corona-Präventionsmaßnahmen wie Händewaschen, tägliche Reinigung und Desinfektion in den Haushalten, öffentlichen Einrichtungen und Krankenhäusern überhaupt umsetzen zu können. Die Eindrücke der Baustellenbesichtigung stimmen zuversichtlich. Auch in anderen Projekten – beispielsweise dem Bau einer von der KfW finanzierten Klärschlammanlage - wird trotz Krise mit Elan weitergearbeitet. Von Stillstand kann nicht die Rede sein.

Bauarbeiter bei einer Druckprüfung in Benin
Arbeit mit Schutzmaske – hier wird eine Druckprüfung vorgenommen.