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Bangladesch: Im Textilbereich entfallen mehr als 80 Prozent aller Ausfuhren

Meldung vom 22.04.2020

Seit Ende März leben die Menschen in Bangladesch mit einer landesweiten Ausgangssperre, um der grassierenden Epidemie Einhalt gebieten zu können. Eine Herausforderung in dem dicht bevölkerten Land besteht darin, die Zahl der Infizierten überhaupt genauer zu erfassen. Und die Hilfe so zu organisieren, dass möglichst alle Notleidenden erreicht werden. Darüber berichtet Anirban Kundu, Leiter des KfW-Büros in Dhaka.

Bangladesch befindet sich derzeit in einer landesweiten Ausgangssperre, die seit dem 26. März in Kraft ist. Am 20. April 2020 lag die Zahl der Covid-19-Infizierten offiziell bei 2984, die der Todesopfer bei 101. Die niedrigen Zahlen sind aber vor allem das Ergebnis der begrenzten Testmöglichkeiten.

Aufgrund der extrem hohen Bevölkerungsdichte und des engen sozialen Zusammenhalts ist "social distancing" hier kaum möglich. Bangladesch ist nicht einmal halb so groß wie Deutschland, hat aber doppelt so viele Einwohner. Wenn es unter diesen Umständen wirklich gelingen soll, die Ausbreitung des Virus nachhaltig zu verhindern, setzt das zumindest sehr entschlossene Maßnahmen voraus. Die Angst vor sozialer Isolation hat in der Bevölkerung dazu geführt, dass Symptome ignoriert werden und Meldungen unterbleiben. Keine gute Voraussetzung, um verlässliche Zahlen über das Infektionsgeschehen zu erhalten und somit eine Handhabe über das Virus zu gewinnen.

"Centro Corona" in Bogotá
Normaler Alltag auf den Straßen in Bangladesch.

So mehren sich zurzeit die Forderungen nach einer Ausweitung und Beschleunigung der Tests. Die verfügbaren Kapazitäten auch für die Behandlung von COVID-19 sind angesichts der Bevölkerungsgröße viel zu gering. Die Regierung hat die Zahl der Anlaufstellen für Tests in der Hauptstadt Dhaka von drei auf neun erhöht, hinzu kommen weitere acht in den übrigen Landesteilen. Außerdem sind spezielle Krankenhäuser für Covid-19-Patienten und isolierte Quarantänezentren geplant.

Am deutlichsten sind die Auswirkungen der Pandemie im Textilbereich zu spüren, einem Sektor, der eng mit dem globalen Wirtschaftsgeschehen vernetzt ist. Mit 40,5 Milliarden USD entfallen mehr als 80 Prozent aller Ausfuhren Bangladeschs auf diesen Bereich - über 4 Millionen Arbeitsplätze hängen daran. Viele internationale Marken mussten wegen Corona ihre Geschäfte schließen und waren dadurch gezwungen, Bestellungen zu stornieren oder zu verschieben. Internationale Modeketten zogen Aufträge im Wert von fast drei Milliarden USD zurück. Das bedeutete den Verlust von nahezu 900 Millionen Einzelaufträgen bei über 1000 Unternehmen in Bangladesch - mehr als 2 Millionen Menschen verlieren so ihren Arbeitsplatz. Durch den Shutdown sind nun aber auch Firmen betroffen, die auf dem inländischen Markt aktiv sind, und natürlich die Dienstleister. Am schlimmsten ist die Lage aber im informellen Sektor, wo zahllose Menschen jede Möglichkeit verloren haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Zwei fahrradlieferanten
Der Blick auf die derzeit leeren Straßen.

Um Abhilfe zu schaffen, hat die Regierung ein Stützpaket mit mehreren Säulen in Höhe von rund elf Milliarden USD beschlossen, das kurz- bis mittelfristig umgesetzt werden soll. Durch Kredit- und Zahlungserleichterungen soll die Liquidität der Unternehmen verbessert werden. Für die exportorientierte Textilindustrie wurde ein erstes Hilfspaket geschnürt, das die Zahlung von Löhnen und Gehältern absichern soll. Und die Beschäftigten des informellen Sektors sollen durch Programme zur Unterstützung von Menschen in fragilen Lebensumständen erreicht werden, durch Nahrungsmittelhilfe und andere staatlich geförderte Versorgungsangebote in allen Landesteilen. Trotz aller Bemühungen kann man aber nicht davon ausgehen, dass alle Betroffenen auch flächendeckend versorgt werden können – es bleibt die Befürchtung, dass vor allem arme und sozial ausgegrenzte Menschen außen vor bleiben.

Bangladesch hat bei internationalen Entwicklungsbanken, darunter der Weltbank und der Asian Development Bank (ADB), Budgethilfen in Höhe von ca. vier Milliarden USD angefragt. Somit können hoffentlich bald weitere Hilfsmaßnahmen verkündet werden, um die absehbare immense Not zu lindern.

Wir Mitarbeiter im Außenbüro Dhaka arbeiten seit dem 21. März im Home Office, also schon einige Tage, bevor die Ausgangssperre verhängt wurde. Die IT-Infrastruktur unter dem neuen System funktioniert recht gut, so dass wir unsere regelmäßigen Arbeitsbesprechungen und Kontakte mit externen Stellen problemlos über Mobiltelefon, Video, WebEx etc. fortführen können. Die landesweiten Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit von Personen, bei Transporten und Leistungen aller Art haben allerdings auch Verzögerungen in der Durchführung der von der KfW geförderten Projekte zur Folge.

Eine Neuerung gibt es aber: Jeden Tag treffen wir uns alle in einer Videokonferenz, um uns gegenseitig auf dem Laufenden zu halten, angefangen von unserem Gesundheitszustand und der aktuellen Situation bis zu den Fragen der Projektdurchführung. Und nicht zuletzt haben wir es so auch geschafft, in diesen schwierigen Zeiten unseren Teamgeist aufrechtzuerhalten.