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Wieder in Freiheit – Corona in der Mongolei

KfW-Büroleiter Michael Sumser berichtet aus Ulan-Bator

Ende September freut sich KfW-Büroleiter Michael Sumser nach dreiwöchiger Pflicht-Quarantäne in einem Hotel in Ulan-Bator auf einen Projektbesuch auf dem Land: Endlich wieder frische Luft und Bewegung! Nach dem Weihnachtsurlaub Ende Januar war er in die Mongolei zurückgekehrt – und bekam erst Anfang Mai einen Platz auf einem Sonderflug zurück nach Deutschland. Gemeinsam mit seiner Ehefrau reiste er dann Anfang September wieder in die Mongolei und kann nach der Quarantäne ein fast „normales“ Leben aufnehmen. „Ich bin während der letzten Wochen viermal negativ getestet worden – das war wirklich gründlich“, resümiert Sumser. Eigentlich hätten sich die beiden noch für zwei Wochen in der häusliche Quarantäne begeben müssen, die wurde jedoch zwei Tage vorher abgeschafft. „Perfektes Timing im Nachhinein“, kommentiert der Kollege. Im Hotel hatten sie zwei Zimmer, wurden von Hotelangestellten – immer im Schutzanzug – mit allem gut versorgt und haben die Zeit ohne Lagerkoller überstanden. Die beiden mongolischen Kolleginnen im KfW-Büro wollten zwar zunächst, als die Pandemiemaßnahmen auch in der Mongolei verschärft wurden, aus dem Home Office arbeiten, mittlerweile sind sie aber froh über den normalen Alltag mit sozialen Kontakten im gemeinsamen Büro.

IT Techniker mit Schutzkleidung im Hotelzimmer
Ein IT-Fachmann aus dem Hotel richtet die Interverbindung ein.

Die Mongolei verfolgt seit Ende Januar eine sehr strenge – und erfolgreiche – Corona-Politik. Im Land wurden bislang 314 Corona-Infektionen (COVID-19) offiziell gemeldet, alle Fälle wurden importiert und keiner hat sich im Land infiziert. 306 Patienten sind als genesen entlassen worden – Stand 5.Oktober. Offiziell ist bisher niemand an COVID-19 gestorben. Was haben die Mongolen besser gemacht als viele andere Länder? Bereits Ende Januar wurde eine allgemeine Maskenpflicht eingeführt - als die Zahlen in China stark anstiegen; die Grenze zum Nachbarland China wurde frühzeitig für den privaten Verkehr geschlossen; alle internationalen regulären Flüge der nationalen Fluggesellschaft MIAT wurden ausgesetzt – und sind es zurzeit immer noch, das gilt auch für den internationalen Bahn- und Straßenverkehr. Schulen und Universitäten schlossen und auch viele Mongolen stiegen um auf Home Office. Die strengen Quarantäne-Regeln für zehntausende heimgeholte Mongolen und auch Ausländer gelten seit Mitte März. Viele der Infizierten sind repatriierte Studenten aus Russland, China, Südkorea, den USA und Europa – auch aus Berlin. Aber auch zahlreiche Offiziersanwärter, die ihre Ausbildung in Russland absolvieren, und Lkw-Fahrer, die im Grenzverkehr nach Russland unterwegs sind, wurden positiv getestet. In der Mongolei wie auch in den früheren Sowjetrepubliken, zu denen die Mongolei allerdings nie so richtig gehörte, ist der medizinische Standard recht niedrig, sodass schwer Erkrankte kaum angemessene Behandlung bekommen, sagt Sumser.

Obwohl mittlerweile im Land fast alle Restriktionen aufgehoben sind, tragen zahlreiche Menschen noch immer Maske und halten Abstand zu einander. Im Rückblick urteilt Michael Sumser: „Manches hätte man angesichts der sehr niedrigen Fallzahlen früher lockern können – vor allem hätten die Schulen viel früher wieder öffnen können und nicht erst nach den Sommerferien Anfang September – das fand ich eigentlich das Härteste und Problematischste.“

Hotelzimmer mit Reinigungskraft in Schutzkleidung.
Elke Hellstern im Hotelzimmer während der Quarantäne…“Man kam sich vor wie radioaktiv verseucht“, erinnert sich Michael Sumser.

Der „Fall Null“ in der Mongolei wurde am 10. März bestätigt: Ein 57-jähriger Franzose, Mitarbeiter eines Konzerns, der im Südosten des Landes zwei Uran-Minen betreibt, seit dem 2. März im Land, wird positiv getestet. Eigentlich sollte er sich in Quarantäne befinden… Die Krankheit nahm einen schweren Verlauf – 50 Tage verbringt er in einer Klinik. „Der hatte in den sozialen Medien des Landes eine Art Kultstatus erlangt und das Land bangte um seine Gesundheit,“ erzählt Michael Sumser. Nach mongolischer Ansicht trug vor allem eine landestypische kräftige Kost mit Pferdefleisch, Hafermehl, Butterschmalz und vitaminreichem Sanddornsaft zur Gesundung bei. Länger geblieben ist er aber trotzdem nicht.

In medizinischer Hinsicht ist die Corona-Politik des Landes erfolgreich – für die Wirtschaft sind die Einschränkungen ein herber Schlag. Die Rohstoffexporte ins benachbarte China – vor allem Kupfer und Kohle –waren stark zurückgegangen, haben sich aber wieder erholt, die Lkw-Fahrer, die nach China unterwegs sind, werden praktisch in ihrer Kabine eingeschlossen, das Material wird abgeladen und sie fahren umgehend zurück in die Mongolei. Die sonstigen Exporte, vor allem Fleisch und (Kaschmir)Wolle sind nach wie vor stark eingebrochen, auch der Tourismus, wichtiger Devisenbringer, fiel in diesem Jahr komplett aus. Viele kleine und mittelständische Unternehmen stehen vor dem Aus, trotz Steuererleichterungen und zinsgünstiger Kredite. Dabei wäre die Mongolei eigentlich gerade jetzt auf Wachstum und Devisenströme angewiesen. „Wir sind froh, wieder hier zu sein, und fühlen uns hier angesichts der zurzeit stark steigenden Infektionszahlen in Deutschland und weltweit sehr sicher“ meint Michael Sumser abschließend.

Büroleiter in der Natur der Mongolei.
Wieder in Freiheit: Die Mongolei ist der am dünnsten besiedelte Staat der Erde. Auf einer Fläche, die fast fünfmal so groß wie Deutschland ist, leben nur rund drei Millionen Menschen – social distancing ist da kein Problem.