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Kolumbien: Hilfsprogramme für die Menschen, Sonderkredite für die Wirtschaft

Anfang März wurden auch in Kolumbien die ersten Covid-19-Fälle bekannt, und seither hat sich die Zahl der Infizierten drastisch erhöht. Was das für die Menschen in dem südamerikanischen Land bedeutet und welche Maßnahmen gegen Corona ergriffen wurden, berichtet Felix Klauda, Leiter des KfW-Büros in Bogotá.

Bis Mitte April gab es 2.700 Infektionen und 109 Menschen haben ihr Leben verloren. Wobei die Dunkelziffer natürlich viel höher liegen dürfte – und es kann auch nur vergleichsweise wenig getestet werden. Am stärksten betroffen ist die Hauptstadt Bogotá. Im ganzen Land gibt es 5.000 Intensivbetten – mit 11 je 100.000 Einwohner ist das in etwa vergleichbar mit Italien oder Frankreich.

Die Regierung von Präsident Duque hat sehr schnell und energisch reagiert, um dem Virus Einhalt zu gebieten. Seit dem 25. März gilt eine strikte Ausgangssperre, die bis zum 27. April verlängert wurde. Nur allein und ausschließlich zum Einkaufen oder für Arztbesuche – und zum Gassigehen – darf man sein Zuhause noch verlassen. Frauen ist es zudem nur an geraden und Männern nur an ungeraden Tagen erlaubt. Für Menschen über 70 gilt die Ausgangsbeschränkung sogar bis zum 31. Mai. Schulen und Universitäten sind, wie bei uns, geschlossen, ebenso alle Grenzen.

Natürlich machen sich auch hier die wirtschaftlichen Folgen der Krise bemerkbar. Die Preise für Erdöl, das wichtigste Ausfuhrgut Kolumbiens, sind u.a. durch die wegbrechende Nachfrage seit Anfang des Jahres um 60 % gesunken. Das fehlt nun in der Staatskasse. Hinzu kommt der Verfall der Landeswährung durch die sinkende Exportnachfrage. Daher geht man davon aus, dass die Wirtschaft dieses Jahr um 2 % schrumpft. Schon jetzt sind vor allem Dienstleistungsbetriebe wie Restaurants, Cafés, Freizeit- und Sportanbieter betroffen – und mit der Tourismusbranche fällt zudem ein wichtiger Wachstumstreiber aus.

"Centro Corona" in Bogotá
Auch auf den Straßen von Bogotá ist nichts mehr los.
Soziale Auswirkungen

Ein besonderes Risiko stellen jedoch die sozialen Folgen der Krise dar. Kolumbien ist ein Land mit großen sozialen Unterschieden – die Schere zwischen arm und reich ist hier besonders ausgeprägt. 27 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Die offizielle Arbeitslosigkeit beträgt um die 10 % und könnte sich Corona-bedingt auf bis zu 25 % erhöhen. Bei alledem arbeiten jedoch rund 50 % der Menschen im informellen Sektor: Sie haben kein festes Einkommen und müssen täglich neu auf Arbeitssuche gehen, um sich und ihre Familien zu ernähren.

Eine zusätzliche Herausforderung ist die Aufnahme, Versorgung und Integration von rund 1,7 Millionen Migranten aus dem benachbarten Venezuela. Die meisten von ihnen leben ohne feste Anstellung in prekären Wohnverhältnissen und sind für den Staat eh schon schwer zu erfassen – ganz zu schweigen von der Notwendigkeit, unter diesen Umständen nun ein rigoroses „social distancing“ durchzusetzen. Gelingt es dem Staat nicht, diese Menschen während der Ausgangssperre vermehrt zu unterstützen, droht der soziale Sprengstoff in den Armenvierteln zu explodieren. Erste Migranten haben sich wegen der fehlenden Perspektiven auf den Rückweg in ihre – noch stärker krisengebeutelte – Heimat begeben.

Zwei fahrradlieferanten
Essenskuriere warten auf einer leeren Straße auf Aufträge.
Wirtschafts- und sozialpolitische Gegenmaßnahmen der Regierung

Um eine Eskalation zu vermeiden, hat die Regierung bereits Gegenmaßnahmen beschlossen. Die direkten Hilfsprogramme für arme Bevölkerungsgruppen wurden um 4 Mrd. EUR aufgestockt. Daraus erhalten benachteiligte Familien, Jugendliche und alte Menschen direkte Zahlungen und teilweise auch Nahrungsmittelhilfen während der Krise. Über fünf Millionen Familien, also mehr als ein Drittel der Bevölkerung, sollen so erreicht werden. Auch die öffentliche Grundversorgung mit Wasser und Strom soll für arme Haushalte staatlich unterstützt werden – durch einen Zahlungsaufschub von bis zu drei Jahren.

Wie in Deutschland sind auch in Kolumbien Unternehmen und somit das wirtschaftliche Fundament gefährdet. Daher gibt es neben der Möglichkeit, laufende Kredite zu stunden, auch kurzfristige Kreditlinien, die – ähnlich dem Sonderprogramm der KfW in Deutschland – von den nationalen Förderbanken angeboten und über die Hausbanken ausgereicht werden. Dank ihrer Erfahrung in Deutschland ist die KfW hier mit ihren nationalen Partnerbanken im direkten Gespräch, um sie im Namen der deutschen Bundesregierung finanziell wie auch inhaltlich zu unterstützen. Damit Kräfte und Mittel gehebelt werden können, um dieser Krise gemeinsam die Stirn zu bieten.