Im Gespräch

Erneuerbare Energien für Nordafrika und den Nahen Osten

KfW Projektmanager Muth über erneuerbare Energien

KfW Projektmanager für Energie in der Region Nordafrika und Naher Osten Wolf Muth

Wolf Muth ist Projektmanager für Energie in der Region Nordafrika und Naher Osten.
Quelle: KfW-Bildarchiv / photothek.net


Die KfW Entwicklungsbank ist der bedeutendste Kapitalgeber für Investitionen in die erneuerbaren Energien in der Region Nordafrika und Naher Osten. Trotz hoher Subventionen der Strompreise und fortdauernder Nutzung fossiler Brennstoffe für die Stromerzeugung betont Wolf Muth, KfW-Projektmanager für Energie, dass sich die Zusammenarbeit mit dieser Region im Bereich erneuerbare Energie auf Dauer lohne.

Trotz des großen Potenzials, das die Solar- und Windenergie in den arabischen Ländern aufgrund der natürlichen Bedingungen hat, ist der Anteil der erneuerbaren Energien dort insgesamt noch gering. Woran liegt das?

Wolf Muth: Die Strompreise in der Region sind in der Regel hoch subventioniert. Das gilt sowohl für die Golfstaaten, als auch für die Maghreb-Staaten. In Marokko sind die Bedingungen etwas günstiger, denn dort liegen die Strompreise bei sieben bis acht Cent pro Kilowattstunde. In Ägypten werden dagegen weniger als drei Cent pro Kilowattstunde gezahlt. Die erneuerbaren Energien sind unter solchen Bedingungen kaum wettbewerbsfähig.

Haben erneuerbare Energien in der Region Nordafrika und Naher Osten daher nur geringe Chancen auf Erfolg?

Wolf Muth: Nein, die Windenergie ist an vielen Standorten sehr nah an der Wettbewerbsfähigkeit. In Ägypten kann Strom aus Windkraft beispielsweise für vier bis fünf Cent pro Kilowattstunde produziert werden. Noch sind viele Regierungen zwar nicht bereit, Strom aus erneuerbaren Energien zu subventionieren. Doch in Marokko ist jetzt beispielsweise ein Solarprojekt in der Umsetzung, bei dem deutlich wird, dass volkswirtschaftliche Interessen zunehmend in den Vordergrund rücken. Langfristig will man unabhängig werden von teuren Energieimporten und eine eigene Industrie aufbauen.

In den arabischen Ländern ist dies bislang nicht üblich.

Wolf Muth: Der Strompreis ist dort oft eine Art Brotpreis. Und gerade jetzt, im arabischen Frühling, sind die Regierungen nicht bereit, die Strompreise anzuheben. Langfristig muss aber eine andere Energiepolitik betrieben werden. Derzeit kann Strom in Kohle-, Gas- oder Dieselkraftwerken noch kostengünstiger produziert werden, weil es sich hierbei um ausgereifte Technologien handelt. Die Solarkraft steht dagegen erst am Anfang des Entwicklungszyklus. Zudem werden die wirklichen Kosten der konventionellen Stromerzeugung häufig nicht veranschlagt. Gerade in Ländern mit eigenen Öl- und Gasreserven wird der Rohstoff in der internen Berechnung nicht zum Weltmarktpreis angesetzt.

Wie könnte die Zukunft für diese Länder aussehen?

Wolf Muth: Im Prinzip müssten diese Ländern bestrebt sein, mit dem Öl und Gas hohe Exporterlöse zu erzielen und für die Stromerzeugung vor allem die Solar- und Windenergie zu nutzen. So könnten sie ihre Exportoption noch deutlich verlängern und langfristig auf den Transport von Öl auf Strom umstellen. Doch noch mangelt es an einem umfassenden Stromnetz. Anstatt Milliardensummen in Gas-Pipelines zu investieren, müsste dasselbe für Stromtrassen möglich sein.

Sehr ambitionierte Pläne im Bereich der erneuerbaren Energien verfolgt Marokko. Was zeichnet die marokkanische Energiepolitik aus?

Wolf Muth: Die marokkanischen Pläne sind tatsächlich sehr ambitioniert: Bis zum Jahr 2020 soll in den Bereichen Solar- und Windenergie jeweils eine installierte Stromerzeugungskapazität von 2.000 Megawatt geschaffen werden - bei einer derzeitigen Gesamtkapazität bei etwa 5.000 Megawatt. Marokko geht sehr viel strukturierter vor als die meisten anderen Länder und setzt seine Mittel gezielt zum Aufbau der erneuerbaren Energien ein. Das Land verfügt über qualifiziertes Personal und verschiedene handlungsfähige Institutionen, die das Thema erneuerbare Energien vorantreiben, wie beispielsweise die Moroccan Agency for Solar Energy (Masen). Zudem steht der Staat selbst, allen voran der König, sehr hinter diesen Vorhaben.

Wie schätzen Sie die weiteren Perspektiven für erneuerbare Energien in der Region Nordafrika und Naher Osten ein?

Wolf Muth: Investitionen in die erneuerbaren Energien werden in diesen Ländern ihre Früchte tragen. Noch liegt eine lange Wegstrecke vor uns. Die Rolle der Entwicklungsbanken ist nach dem arabischen Frühling eher noch wichtiger geworden. Wir werden nicht nachlassen, den Sektor zu entwickeln und so Vertrauen für private Investitionen zu schaffen.

Dieses Interview wurde gekürzt und erscheint mit freundlicher Genehmigung von SOUQ, Das Ghorfa – Wirtschaftsmagazin.


Montag, 06. Februar 2012