Weltwirtschaft und Entwicklung

Entwicklungsländer tragen zu globalem Wachstum bei

Geöffnete Händer mit Kaffeebohnen

Trotz Wachstum leben weiterhin viele Menschen in Armut. Quelle: KfW-Bildarchiv / Fotoagentur: photothek.net

Schon seit langem wachsen die Volkswirtschaften der Entwicklungsländer stärker als die der Industriestaaten. Im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2010 erreichten die Entwicklungsländer ein Wirtschaftswachstum von 6,3 Prozent pro Jahr, die Industriestaaten dagegen nur zwei Prozent. Besonders ausgeprägt war der Unterschied im globalen Krisenjahr 2009, in dem die Industrieländer eine schwere Rezession erlebten (3,2%), während die Entwicklungsländer um durchschnittlich 2,5% wuchsen. Auch in den kommenden Jahren dürften sie ihren Wachstumsvorsprung halten können. So gelang und gelingt es, die Lebensverhältnisse in den Entwicklungsländern stetig zu verbessern. Etliche Indikatoren aus dem Bereich der Millenium Development Goals (MDG) belegen dies, sie zeigen aber gleichwohl auch, dass noch immer sehr viele Menschen in Armut leben und die Entwicklungsländer weiterhin erhebliche Entwicklungsdefizite aufweisen.

Infoboxanker

Die genannte erfreuliche Wirtschaftsentwicklung in den Entwicklungsländern ist auf verschiedene binnen  und außenwirtschaftliche Reformen der letzten Zeit zurückzuführen. Die weltwirtschaftliche Integration schreitet voran. Der Anteil der Entwicklungsländer am Welthandel erhöhte sich in den letzten zwei Dekaden von rund einem Viertel auf mehr als ein Drittel. Bedeutender Fokus der Entwicklungsländer sind weiterhin die Märkte der Industriestaaten. Hohe Zuwachsraten weist aber auch der Süd-Süd-Handel auf, und dies ist auch eine der Erklärungen, warum die Entwicklungsländer so bemerkenswert gut durch die globale Finanzkrise gekommen sind.

Mehr Direktinvestitionen 

Die stärkere Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft spiegelt sich auch in den internationalen Finanzströmen wider. So ist der starke Zuwachs der Weltwährungsreserven in den letzten Jahren insbesondere den Entwicklungsländern zuzuschreiben (allen voran der Volksrepublik China). Auch der Zustrom ausländischer Direktinvestitionen in die Entwicklungsländer hatte sich zwischen 2002 und 2008 verdreifacht und das dortige Wirtschaftswachstum beflügelt. Im Zuge der anschließenden globalen Finanzkrise sanken die Direktinvestitionen zwar deutlich, seit 2010 nehmen sie aber wieder stark zu. Dies zeigt, dass alles in allem trotz der globalen Krise die Attraktivität des „Standortes Entwicklungsländer“ nicht fundamental erodiert ist.

Dabei ist auch hier wieder die regionsinterne Dynamik zu beachten: Direktinvestitionen fließen keineswegs nur zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, sondern die Investoren in Schwellenländern kommen vielfach aus anderen Schwellenländern, und in signifikanter Weise investieren auch Schwellenländer in Industriestaaten. Die Schwellenländer verzeichnen neben Direktinvestitionen ebenso einen Zustrom von Auslandsgeldern in ihre Wertpapier  und Immobilienmärkte. Dies wird dort allerdings durchaus auch mit Sorge beobachtet, weil diese Mittel volatil sind und eine unerwünschte Aufwertung der Währung sowie das Entstehen von Preisblasen (z.B. am Immobilienmarkt) auslösen können.

Die Rolle der Entwicklungspolitik

Die Entwicklungspolitik kann die Partnerländer unterstützen, die außenwirtschaftlichen Verflechtungen zum Wohle der eigenen Entwicklung auszubauen. Ansatzpunkte können dabei sein, die handelsrelevante Infrastruktur wie Straßen, Häfen und Kommunikationstechnologien zu verbessern, produktive Sektoren z.B. im Landwirtschaftsbereich zu fördern, leistungsfähige Finanzsysteme zu etablieren, Handelsbarrieren abzubauen und die Produktion mit Hilfe von Technologietransfers wettbewerbsfähiger zu machen. Durch die gezielte Stärkung von Institutionen, die Förderung stabiler makroökonomischer Rahmenbedingungen und eine Strategie der Erhöhung der Produktionstiefe (Wertschöpfung) sowie der Diversifizierung der produktiven Sektoren kann die Anfälligkeit der Entwicklungsländer für externe Schocks gemildert werden.

Stand: Juli 2011