Entwicklungsfinanzierung

ODA-Quote als wichtige Messgrösse

Geldscheine und Münzen verschiedener Währungen auf einer Zeitungssweite mit Zahlenkolonnen

Wirtschaftliche und soziale Entwicklung braucht verschiedene Finanzierungsquellen. Quelle: KfW-Bildarchiv

Unter dem Schlagwort Entwicklungsfinanzierung oder "development finance" wird international diskutiert, wie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von Entwicklungsländern finanziert werden kann. Diese Länder sind dabei Empfänger von Finanzströmen aus öffentlichen sowie privaten Quellen. Die Mittel unterscheiden sich weiterhin nach ihrer Konzessionalität, das heißt nach ihrem Zuschussanteil, der bei 100 Prozent (reine Zuschüsse), bei 0 Prozent (reine Marktmittel) oder irgendwo als zinssubventioniertes oder gemischtes Darlehen dazwischen liegen kann.

Die öffentlichen Finanzmittel werden, sofern sie einen bestimmte Zuschussanteil enthalten, als Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit "Official Development Assistance (ODA)" bezeichnet und stellen eine wichtige Messgröße im System der internationalen Entwicklungshilfe dar. Die ODA-Quote bezeichnet dabei die Mittelaufwendung für Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit in Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE). Diese liegt typischerweise zwischen 0,2 und 1,1 Prozent des BNE, wobei die großen Industriestaaten tendenziell niedrigere Quoten aufweisen als kleinere Volkswirtschaften.

Öffentliche Gelder - private Mittel

Bereits in den siebziger Jahren bekannten sich die Industriestaaten zu mehr Verantwortung gegenüber den Entwicklungsländern und beschlossen eine Steigerung ihrer ODA-Quoten auf allgemein 0,7 Prozent des BNE. Verbindliche Beschlüsse, die ODA-Quoten zu steigern, wurden jedoch erst auf der UN-Konferenz "Financing for Development" im März 2002 in Monterrey gefasst. Diese wiederum wurden im Mai 2005 für die EU-Länder durch einen Stufenplan konkretisiert, der die "alten" EU-Länder bis 2015 an das 0,7-Prozent-Ziel heranführen soll. 

Nach Angaben des "Development Assistance Committee (DAC)" der OECD lag die Höhe der ODA-Zahlungen aller DAC-Geber im Jahr 2010 bei 129 Milliarden US-Dollar oder bei 0,32 Prozent des BNE. Davon kamen 70,2 Milliarden US-Dollar aus den Mitgliedsländern der EU. Deutschland war mit 13 Milliarden US-Dollar nach den USA, Großbritannien und Frankreich der viertgrößte Geber. Die deutsche ODA-Quote lag 2010 bei 0,38 Prozent des BNE.

Neben den sogenannten ODA-Mitteln gibt es auch nicht-konzessionäre öffentliche Gelder und die vom Gesamtvolumen deutlich höheren privaten Mittel. Zu den prominentesten privaten Finanzquellen zählen ausländische Direktinvestitionen oder Portfolioinvestitionen. Sie tragen vor allem in Schwellenländern maßgeblich zur Entwicklungsfinanzierung bei, sind aber über die Jahre sehr schwankungsanfällig.

Die Entwicklungsfinanzierung wird aktuell sehr angeregt diskutiert: Wie belastbar sind Entwicklungsländer im Hinblick auf die Schulden, die sich bei ihnen angehäuft haben? Sind neue Finanzierungsinstrumente vonnöten und wie sollen sie gestaltet werden? In welchen Fällen eignen sich Kredite besser zur Finanzierung von Entwicklung als Zuschüsse? Und schließlich dreht sich die Debatte auch darum, was wirksamer die Entwicklung eines Landes vorantreibt: Öffentliche Entwicklungshilfe oder Handel und Wirtschaftswachstum der Partnerländer aus eigener Kraft.

Stand: Juli 2011