Gesundheit und Würde

Grösste medizinische Errungenschaft: öffentliche Hygiene

Mann in dem Steuerungsraum einer Kläranlage in Jordanien bedient Maus und schaut auf PC

Hoher technischer Standard: Steuerungsraum in einer Kläranlage in Jordanien. Quelle: KfW-Bildarchiv / photothek.net

Der Umgang mit Fäkalien und Abwasser und die persönliche Hygiene sind weltweit immer noch ein vielfach tabuisiertes Thema. Dabei hat die Verbesserung der Siedlungshygiene eine Schlüsselrolle in der Entwicklung von modernen Industriegesellschaften gespielt. Erste Anstrengungen begannen in den westlichen Industrieländern gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, als die überbevölkerten Großstädte regelmäßig von Seuchen heimgesucht wurden. Durch Abwasserkanalisationen verbesserte sich die Gesundheitssituation der Menschen in den Großstädten ganz entscheidend. Seuchen traten immer seltener auf. Die Lebenserwartung stieg. Das "British Medical Journal" befragte 2007 Gesundheitsexperten aus aller Welt nach der größten medizinischen Errungenschaft der letzten 170 Jahre. Die öffentliche Hygiene (sauberes Trinkwasser, sanitäre Einrichtungen) errang dabei mit 16 Prozent der über 11.000 Antworten den ersten Platz, noch vor Antibiotika.

Für eine nachhaltige Reduzierung der Gesundheitsrisiken ist die verbesserte Abwasser- und Müllentsorgung in den Siedlungen alleine nicht ausreichend. Ebenso wichtig ist es, das persönliche Hygieneverhalten über Erziehung und Bildung langfristig zu verändern. Die Basissanitäreinrichtungen und die Entsorgung von Abwässern oder Fäkalien werden von den meisten Menschen aber nicht vorrangig nur als eine Verringerung von Gesundheitsrisiken wahrgenommen. Saubere, geruchsfreie und private Toiletten und ein sauberes Wohnumfeld ermöglichen es jedem Einzelnen, das alltägliche Leben würdevoll zu gestalten.

Engagement der KfW Entwicklungsbank

Deshalb setzten die Vorhaben der KfW Entwicklungsbank in der Regel auf mehreren Ebenen an. Sie tragen nicht nur zum Aufbau nachhaltiger Institutionen  wie Aufsichtsbehörden und Wasserunternehmen sowie technischer Systeme (Kläranlagen, Kanalnetze, Latrinen) bei. Sie unterstützen die Partner auch bei der langfristigen Veränderung von Hygieneverhalten. Einer der Ansätze ist das "Social Marketing" , das eher auf Prestige und Komfort setzt, um die Nachfrage nach verbesserten sanitären Einrichtungen zu verstärken. Dies hat sich in der Arbeit der KfW Entwicklungsbank besser bewährt als reine Hygieneaufklärung.


Weiterführende Informationen

FZ-Engagement im Sektor Gesundheit

Stand: Juli 2011