Bedeutung für Entwicklung und Armutsminderung
Stadtentwicklung schafft Arbeit
Städte sind Motoren der Entwicklung. Quelle: KfW Bildarchiv
In Entwicklungsländern bedeutet städtisches Wachstum vor allem: Mehr Slums und noch mehr Armut. Knapp eine Milliarde Menschen leben derzeit in städtischen Elendsvierteln. Tendenz steigend. Ohne Hilfe aus dem Elend auszubrechen, ist nahezu unmöglich. Denn wer hier lebt, ist gleich mehrfach benachteiligt. Slums liegen oft an Stadträndern. Der Weg zum Arbeitsplatz im Stadtzentrum ist daher lang und teuer.
Trinkwasser ist keineswegs selbstverständlich: In den informellen Siedlungen gibt es oft keine Anschlüsse. Die Menschen müssen ihr Wasser für den täglichen Bedarf bei Straßenhändlern kaufen - oft zum Vielfachen dessen, was Wasser aus der Leitung kosten würde. Es fehlt zudem an Kanalisation und Müllentsorgung - mit erheblichen Folgen für die Gesundheit. Durchfall- und Atemwegserkrankungen sind besonders für die Kinder eine Gefahr. Schlechte Wohnverhältnisse, kein Zugang zu Bildung oder regulärer Arbeit und fehlende ärztliche Versorgung verstärken die extreme soziale Ungleichheit zwischen Slum- und anderen Stadtbewohnern. Wo ein sicheres Dach über dem Kopf, Jobs und Perspektiven fehlen, wächst die Gefahr, dass Gewalt und Kriminalität entstehen.
Negative Umweltfolgen städtischen Wachstums vermeiden
Das Sektorkonzept des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung legt daher gleich mehrere Ziele fest: Stadtentwicklungsvorhaben sollen vor allem die Lebens- und Arbeitsbedingungen der armen Stadtbevölkerung nachhaltig verbessern. Sie sollen negative Umweltfolgen des städtischen Wachstums vermeiden oder zumindest begrenzen und die natürlichen Ressourcen der Städte und ihres Hinterlandes erhalten.
Außerdem geht es darum, die städtischen Potenziale für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu nutzen. Eine nachhaltige Stadtentwicklung unterstützt im Grunde alle Millenniumentwicklungsziele (MDGs), denen sich die internationale Staatengemeinschaft 2000 auf dem Millenniumsgipfel in New York verpflichtet hatte: Hierzu zählt die deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern bis 2020. Vorhaben zur Stadtentwicklung verbessern auch die Gesundheitsversorgung (MDG 4-6), ökologische Nachhaltigkeit (MDG 7) und Bildung (MDG 2) sowie die Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Frauen (MDG 3).
Stadtentwicklungsprogramme bündeln all diese Ziele. Die Strategien sind sektorübergreifend und integrieren wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte. Auch die Erfolge zeigen sich in unterschiedlichen städtischen Bereichen.
Stabile Infrastruktur Basis für florierende Wirtschaft
Der Ausbau der Infrastruktur sorgt für eine Anbindung an städtische Versorgungsnetze. Das können Straßen, Wasserleitungen und Kanalisation sein oder öffentliche Transportmittel und eine geregelte Müllentsorgung. Dadurch verbessern sich nicht nur die Lebensbedingungen. Durch die Sanierungsmaßnahmen entstehen kurzfristig auch Arbeitsplätze für lokale Handwerksbetrriebe. Und langfristig ist solch eine stabile Infrastruktur eine unabdingbare Basis für eine florierende Wirtschaft.
Mikrokredite zum Aufbau von Kleinstgewerbe eröffnen ebenfalls wirtschaftliche Perspektiven. Und Kredite für den Kauf des eigenen Grundstücks und die Verbesserung des Umfelds schaffen Anreize, in den eigenen Wohnraum zu investieren. Die Legalisierung von Grundstücken in informellen Siedlungen schafft hierfür die nötige Rechtssicherheit. Investitionen in schulische Bildung, Freizeit- und Gemeindeeinrichtungen fördern die soziale Integration und Gewaltprävention. In alle Vorhaben sind die betroffenen Menschen eng eingebunden. Das unterstützt ihr Selbsthilfepotenzial und fördert ihre Mitwirkung an der lokalen Entwicklung.
Stand: Juli 2011