Erneuerbare Energien
Als Quelle etabliert
Wasserkraftwerk in Albanien. Quelle: KfW Bildarchiv / Fotoagentur: photothek.net
Folgt man den Schätzungen der International Energy Agency (IEA), ist mit einem weltweiten Wachstum des Primärenergieverbrauchs von 55 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2005 zu rechnen. Über die Hälfte dieses Wachstums erfolgt bis 2015. Fast drei Viertel des voraussichtlichen Verbrauchsanstiegs entfällt auf Entwicklungsländer, 33 Prozent allein auf China und 12 Prozent auf Indien. Aus umwelt- und klimapolitischer Sicht ist erneuerbaren Energieträgern bei der Deckung dieses Nachfrageanstiegs eine große Bedeutung beizumessen.
Seit Verabschiedung des Kyoto-Protokolls haben sich erneuerbare Energien von ihrer Bedeutung als 'alternative Quelle' zu einer etablierten Form der Energiebereitstellung entwickelt. Dazu zählen die 'traditionellen' erneuerbaren Energien Wasserkraft und Biomasse sowie die 'neuen' erneuerbaren Energieträger Sonne, Wind, Erdwärme und die moderne Biomassenutzung. Mehr als 40 Prozent der installierten Leistung erneuerbarer Energien befindet sich in Entwicklungsländern, sogar 70 Prozent der Solaranlagen zur Heißwassergewinnung. 45 Prozent der Erzeugung von Biokraftstoffen findet in Entwicklungsländern statt.
Kleinwasserkraft, Biomasse und Photovoltaik
Unter Einsatz erneuerbarer Energien, insbesondere Kleinwasserkraft, Biomasse und Photovoltaik, kann in ländlichen Regionen Strom und Wärme zur Nutzung in der Landwirtschaft, kleinen Industriebetrieben, Haushalten, Schulen und sonstigen kommunalen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Über 500 Millionen Haushalte in Entwicklungsländern nutzen traditionelle Biomasse für Koch- und Heizzwecke. 25 Millionen Haushalte kochen und beleuchten ihre Häuser unter Nutzung von Biogas und ersetzen damit zum Beispiel Kerosin. Mehr als 3 Millionen Haushalte erhalten ihren Strom zur Beleuchtung von Solarpanels. Und eine wachsende Zahl kleiner Industriebetriebe zum Beispiel für die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte erhält ihre Prozesswärme aus kleinen Biogasanlagen.
Erneuerbare Energien haben den großen Vorteil, dass sie klimaneutral genutzt werden können, das heißt, im Betrieb werden wenig bis keine zusätzlichen Treibhausgase emittiert. Auch die Umweltbelastungen durch den Ausstoß gesundheitsgefährdender Stoffe sind meist geringer als bei der Nutzung fossiler Brennstoffe.
In den letzten Jahren hat sich eine ganze Reihe von Förderpolitiken für erneuerbare Energien entwickelt. In mehr als 60 Ländern, davon auch zahlreiche Entwicklungsländer, gibt es bereits Ansätze zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Der gängigste Ansatz sind so genannte Einspeisegesetze, über die die Vergütung von Strom aus erneuerbaren Energien über einen bestimmten Zeitraum in einer bestimmten Höhe dem Erzeuger garantiert wird.
Hohe Transaktionskosten
Ein Vorteil ist, dass die Nutzung erneuerbarer Energien im Betrieb meist relativ kostengünstig ist, da die Energieträger (Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme) sozusagen frei erhältlich sind. Allerdings gibt es auch viele Gründe, die bisher noch das wirtschaftliche Potenzial für eine rein kommerzielle Finanzierung von erneuerbaren Energien in Entwicklungsländern begrenzen: Die Risiken werden als zu hoch eingeschätzt und es entstehen relativ hohe Transaktionskosten bei den typischerweise kleineren Vorhaben der 'neuen' Technologien (besonders bei Solarenergie). Die Investitionskosten sind relativ hoch und nicht permanent zur Verfügung stehende Quellen wie Sonne und Wind müssen durch Speicher oder andere Quellen ergänzt werden.
Selbst in den Ländern, in denen makroökonomische und energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen geeignete Voraussetzungen bieten, kann privates Kapital eher für konventionelle, technisch erprobte Technologien mobilisiert werden. Dies ist selbst bei Investitionen zur Erhöhung der Energieeffizienz zu beobachten, die sich durch Energieeinsparungen sogar kurzfristig für den Betrieb auszahlen würden. Bei den erneuerbaren Energien stellt sich dieses Problem verschärft.
Vorteilhaft auf dem Land
Erneuerbare Energien weisen vor allem bei der dezentralen Versorgung der Bevölkerung im ländlichen Bereich gegenüber konventionellen Technologien häufig Kostenvorteile auf. Dort ist aufgrund der geringen Stromnachfrage und der weiten Entfernungen zum zentralen Stromnetz eine 'klassische' Elektrifizierung durch die Erweiterung des Verbundnetzes oder auch die Versorgung mit Diesel über weite Strecken für die Versorgung zu teuer.
Auch bei der Förderung anderer Sektoren wie Gesundheitswesen, Grundbildung, Wasserversorgung und Telekommunikation werden zunehmend erneuerbare Energien eingesetzt, zumeist photovoltaische Systeme.
Weiterführende Informationen
Stand: Januar 2012