Subsahara-Afrika

Immer mehr Erfolgsgeschichten

Projektgebiet Subsahara-Afrika

Projektgebiet Subsahara-Afrika. Quelle: KfW

Wenn afrikanische Flüchtlinge auf Lampedusa anlanden, Truppen in Somalia oder der Elfenbeinküste vorrücken, laufen die Kameras. Auch die nächste Dürre, die Aids-Katastrophe und Unruhen bei Wahlen sind Schlagzeilen in den Nachrichten. Wahr, und doch nur die eine Seite. Afrika hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung gemacht. Viele Staaten haben sich zu stabilen demokratischen Gesellschaften entwickelt und die Grundlage für eine wirtschaftliche Entwicklung gelegt, die auch die arme Bevölkerung erreicht. Viele Länder wachsen seit Jahren schneller als die deutsche Wirtschaft. Mit Ruanda, Senegal, Burkina Faso und Botswana landeten gleich vier afrikanische Länder unter den Top-Reformern der letzten Weltbankberichte "Doing Business". Erfolge, die kaum für Schlagzeilen sorgen. Sie sind auch ein Ergebnis der Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika.

... aber: Handlungsbedarf groß

Was die Menschen in den Medien über Konflikte und Krisen sehen, ist zwar Realität, aber nicht das vollständige Bild dieses riesigen Kontinents mit über 50 Ländern und mehr als 2.000 Sprachen. Afrika weist - bei allen Problemen - positive Entwicklungen auf. Ökonomisch hat der Kontinent die Weltwirtschaftskrise vergleichsweise gut überstanden. 2010 ist das Bruttoinlandsprodukt von Subsahara-Afrika bereits wieder um rund 4,7 Prozent gewachsen - Tendenz steigend. Wachsende Investitionen, politische Reformen, die die Konjunktur ankurbeln und neue Arbeitsplätze schaffen - auch das ist afrikanische Realität.

Doch die Wirtschaftskrise hat die Länder in ihren Anstrengungen zur Armutsbekämpfung zurückgeworfen. Der Handlungsbedarf bleibt groß. Die wieder steigenden Nahrungsmittel- und Erdölpreise auf den Weltmärkten gefährden das Wachstum und reduzierten die Kaufkraft. Hinzu kommt das Risiko einer Dürre in einigen Ländern Ostafrikas, wo die Regenfälle zur Jahreswende 2010/11 unterdurchschnittlich ausgefallen sind.

Afrika hat alle Chancen für eine gute Entwicklung

Umso mehr gilt es nach der Wirtschaftskrise, die Chancen für ein anhaltendes Wirtschaftswachstum zu nutzen. Die KfW Entwicklungsbank unterstützt in Afrika zahlreiche Projekte und Entwicklungen für Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Energieversorgung und demokratische, rechtsstaatliche Strukturen. Konkret bedeutet das: Investitionen in Energie-, Wasser- und Verkehrsinfrastruktur, in die Landwirtschaft und den Finanzsektor. Zudem fördert die KfW den Aufbau von Gesundheits- und Bildungssystemen. Denn gerade gesunde Menschen mit Schulbildung können ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und dazu beitragen, dass die afrikanische Wirtschaft schneller wächst als die Bevölkerung.

Solche Entwicklungen sind Voraussetzung dafür, dass die Staaten Afrikas erfolgreich die Armut bekämpfen können. Die KfW setzt sich dafür ein, dass gerade auch die Armen Zugang zu sauberem Trinkwasser, zu Bildung, Gesundheit und Arbeit erhalten. Das erfreuliche Wachstum der afrikanischen Wirtschaft muss auch bei den vielen in tiefer Armut lebenden Menschen dauerhaft ankommen. Und das gelingt auch in der Praxis.

Beispiel: Landwirtschaft. Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt, über die Hälfte der Menschen leben unter der Armutsgrenze. Durch dezentrale Bewässerungsprojekte mit Einbeziehung der Bauern hat sich die Reis- und Getreideproduktion vervierfacht, die Bauern haben ihr Einkommen verdoppelt.

Die Menschen müssen selbst entscheiden

Die Dezentralisierung der öffentlichen Verwaltung ist ein weiterer Schlüssel dafür, dass die Länder Afrikas in der Armutsbekämpfung erfolgreicher werden. In Deutschland ist es selbstverständlich, dass eine Kommune entscheidet, wo ein Gewerbegebiet oder eine Schule entsteht. In vielen Staaten Afrikas entscheidet dagegen oft noch ein Beamter im Ministerium in der Hauptstadt, wo ein Markt oder eine Schule auf dem Land gebaut wird. Dieser Bürokratismus führt dazu, dass an den Interessen der Menschen oftmals vorbei geplant wird.

Wichtige Hebelkraft entwickelt auch die Unterstützung nationaler Armutsbekämpfungsstrategien durch direkte Zahlungen in den Staatshaushalt reformorientierter Staaten mit guter Regierungsführung. Hierbei nutzen und stärken die Geberländer gemeinsam die Strukturen des Partnerlandes. Die Regierung des Partnerlandes wird so in die Lage versetzt, selbst die Richtung vorzugeben. Gleichzeitig findet ein intensiver Politikdialog zwischen Geberländern und der Regierung statt. Es werden konkrete, auf das Land zugeschnittene Reformschritte vereinbart. So haben Länder wie Mosambik und Ruanda inzwischen transparente Staatshaushalte, die vom Parlament und von unabhängigen Rechnungshöfen kontrolliert werden. Das Verfahren hat zu einer deutlichen Erhöhung der Ausgaben für Gesundheit, Bildung und Wirtschaftsreformen und einer Reduzierung der Militärausgaben beigetragen.

Stand: Juli 2011