Projekt - Gesundheit
Tansania - Tanzen gegen Aids
Aufklärungsarbeit gegen HIV/Aids. Quelle: Mona Ahmed
In einem Armenviertel der tansanischen Stadt Moshi am Fuß des Kilimandscharo schart sich eine Menschenmenge um einen weißen Pritschenwagen. Lautsprecherboxen und Standmikrofone, die vor dem Auto aufgebaut sind, markieren die "Bühne". Das Stück, an dem Schauspieler, Tänzer und Trommler mitwirken, ist temperamentvoll und traurig zugleich. Ein Mann mit weiß geschminktem Gesicht und Kissen unter dem T-Shirt spielt eine Schwangere, die sich mit HIV angesteckt hat. Die Aufklärungskampagne wird von der KfW Entwicklungsbank finanziert. Deutschland unterstützt Tansania im Kampf gegen HIV/Aids zudem durch Beschaffung und Vertrieb von Verhütungsmitteln und Medikamenten für die Zeit nach der Geburt.
Schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen in Tansania tragen das HIV-Virus in sich oder sind an Aids erkrankt. Eine Million Kinder haben so ihre Eltern verloren. In den Handelszentren und entlang der Transitstraßen nach Kenia und Zambia grassiert das Virus, das vor allem durch ungeschützten heterosexuellen Geschlechtsverkehr übertragen wird. Die Städte Iringa, Dar es Salaam und Mbeya weisen Infektionsraten von bis 15 Prozent aus, während in ländlichen Gebieten fünf Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Wie für viele afrikanische Staaten gilt auch für Tansania, dass Frauen ein höheres Risiko als Männer tragen, sich mit HIV zu infizieren. Insgesamt sterben an Aids mehr Tansanier im arbeitsfähigen Alter als an anderen Krankheiten. Damit wirkt sich die Epidemie über die persönlichen Schicksale hinaus auf die Gesellschaft aus: Die wirtschaftlich aktive Bevölkerungsgruppe der 20- bis 49-Jährigen wird ausgedünnt; Familien verarmen, weil der Ernährer ausfällt.
Die Gesundheitsversorgung der armen Bevölkerung in Tansania ist nach wie vor unzureichend, was sich in der hohen Müttersterblichkeit widerspiegelt, die 529 Todesfälle je 100.000 Geburten beträgt. 55 Prozent aller Geburten finden unter so genannten Hochrisiko-Bedingungen statt, das heißt, die Frau ist zu alt, zu jung oder die Schwangerschaften folgen zu rasch aufeinander. Viele Kinder kommen deswegen zu früh auf die Welt, sind zu klein und überleben die ersten Wochen nicht. Durch einfache medizinische Produkte, etwa sterile Handschuhe oder Unterlagen, ließen sich Komplikationen verhindern, doch gerade den Krankenstationen auf dem Land fehlt dafür häufig das Geld.
Prävention vernachlässigt
Die tansanische Regierung hat den Kampf gegen HIV/Aids und den Aufbau eines zukunftsfähigen Gesundheitssystems zu seinen vordringlichen politischen Zielen erklärt. Mittlerweile nehmen 388.000 HIV-Infizierte am nationalen Behandlungsprogramm teil, davon erhalten 250.000 Patienten eine anti-retrovirale Therapie. Allerdings gehen diese Anstrengungen zu Lasten der Prävention und binden einen Großteil der Personalressourcen. Das staatliche Budget für Verhütungsmittel ist zwischen 2004 und 2009 um rund 80 Prozent auf 880.000 Euro im Jahr geschrumpft.
Um diese Lücke zu schließen, unterstützt die KfW Entwicklungsbank zusammen mit anderen Gebern die Arbeit der tansanischen Nichtregierungsorganisation PSI Tansania. Durch den Verkauf subventionierter Kondome und hormoneller Verhütungsmittel führt PSI die arme Bevölkerung an die moderne Familienplanung heran. Aufklärungskampagnen schaffen das nötige Bewusstsein und zeigen die Gefahren von HIV/Aids auf. Dabei werden viele mediale Formen genutzt: Plakate, Radio- und Fernsehspots, Theater- und Tanzaufführungen. Die tansanische Kommission für Aids, eine Einrichtung der Regierung, koordiniert die Maßnahmen und arbeitet eng mit PSI zusammen.
Sichere Entbindung
Deutschland stellt im Rahmen seines Programms "Kofinanzierung Social Marketing von Kondomen und Kontrazeptiva" einen Zuschuss über insgesamt 18,5 Millionen Euro bereit. Nachdem 2010 die erste Programmphase erfolgreich abgeschlossen wurde, läuft derzeit die zweite Phase. In Jahr 2011 soll eine dritte Phase beginnen, die neben Verhütungsmitteln auch sogenannte "Clean Delivery Kits" finanziert und Produkte enthält, die das Geburtsrisiko verringern helfen. Die Pakete enthalten unter anderem sterile Unterlagen und das Medikament Misoprostol, das schweren Blutungen nach der Geburt vorbeugt.
Das von der KfW Entwicklungsbank gesteuerte Programm trägt dazu bei, die gesundheitliche Situation in Tansania spürbar zu verbessern. HIV-Infektionen gehen zurück, weniger Frauen werden ungewollt schwanger. Zugleich erhöhen sich die Überlebenschancen von Müttern, weil sie nach der Geburt besser versorgt sind. Das Risiko von Krankheit und Tod sinkt in der Bevölkerungsgruppe der 20- bis 49-Jährigen - und das kommt der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zugute.
Kofinanzierung Social Marketing
| Land | Tansania |
|---|---|
| Sektor/BMZ-Förderbereich | Gesundheit |
| BMZ-Projektnummer | 2005 65 796, 2007 65 081, 2009 66 879, 2010 66 711 |
| Status | laufend |
| Mittel der FZ in Mio. Euro | 18,5 |
| KfW-Mittel in Mio. Euro | -- |
Weiterführende Informationen
FZ-Engagement im Bereich Gesundheit
Stand: Juli 2011