Landesinformation
Demokratische Republik Kongo - Verschenkter Reichtum
Bildung eröffnet Kriegsopfern neue Perspektiven. Quelle: Moritz Pistor
Nach dem täglichen Gewitter stehen die Goldwäscher bis zu den Knöcheln im Wasser. Die Mine in der Provinz Süd-Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) bringt der örtlichen Miliz satte Profite. Für die meist jugendlichen Arbeiter ist sie alles andere als eine Goldgrube. Hunger, Krankheiten und Gewalt treffen die Bevölkerung in diesem Teil Zentralafrikas besonders hart. Der Rohstoffreichtum weckt Begehrlichkeiten bei Milizführern, korrupten Politikern sowie bei den Nachbarstaaten. Diktatur und Bürgerkrieg haben die Gesellschaft zerrüttet. Die ersten freien Wahlen seit 40 Jahren markierten 2006 den Neuanfang - ein Aufbau aus Ruinen.
In den Gefängnissen der Hauptstadt Kinshasa warten Häftlinge Jahre auf ihren Prozess, weil es nicht genügend Richter gibt. Passämter haben kein Papier, Krankenhäuser keine Medikamente. Der öffentliche Sektor der DR Kongo - nicht zu verwechseln mit der westlich angrenzenden, deutlich kleineren Republik Kongo - ist praktisch zusammengebrochen. Der Strom fällt regelmäßig aus. Das Finanzwesen ist unterentwickelt: Auf eine Millionen Einwohner kommt eine Bankfiliale.
Nicht nur im Innern, auch außenpolitisch befindet sich das drittgrößte Land Afrikas in einer prekären Lage. Der Kongokrieg wurde zwar 2002 für beendet erklärt, trotzdem blieben die Beziehungen zu Uganda, Burundi und bis Anfang 2009 auch zu Ruanda angespannt. Ruandische Hutu-Rebellen verschanzen sich noch immer in den östlichen Provinzen Nord- und Süd-Kivu und Maniema. Es flammen immer wieder Kämpfe zwischen verschiedenen bewaffneten Gruppen auf. Übergriffe auf die Bevölkerung sind an der Tagesordnung. Hinzu kommen illegale Rohstofflieferungen in verschiedene Anrainerstaaten.
Schatzkammer der Natur
Konflikte um die in verschwenderischer Fülle vorhandenen Bodenschätze beherrschen die Region seit Jahrhunderten. Die DR Kongo führt weltweit bei der Förderung von Kobalt und liegt bei Diamanten auf Rang vier. Die Vorkommen an Gold, Silber, Öl, Mangan, Kupfer, Uran sowie dem für die Computerchip-Herstellung wichtigen Coltan sind beträchtlich. Regenwald bedeckt 60 Prozent der Fläche der DR Kongo, eine weitere Ressource von unschätzbarem Wert. Große Flüsse wie der Kongo, dazu die Seenkette im Osten, bergen ein großes Potenzial an Wasserkraft.
Der Rohstoffreichtum spiegelt sich in der Wirtschaftsstruktur wider. Diamanten, Öl, Kobalt und Kupfer sind die Hauptexportgüter, die vor allem nach Belgien, China und Chile geliefert werden. Trotz hoher Rohstoffpreise war die Handelsbilanz auch vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise regelmäßig negativ. Es fehlt eine starke verarbeitende Industrie, die die Wertschöpfung in der Heimat vergrößern könnte. Land- und Forstwirtschaft stellen nach wie vor drei Viertel der Arbeitsplätze. Auf sehr niedrigem Niveau wuchs die Wirtschaft bis 2008 um jährlich sechs bis sieben Prozent und die Inflationsrate lag regelmäßig deutlich im zweistelligen Bereich. Die Handlungsfähigkeit des Staates war durch über 10 Milliarden US-Dollar Schulden an das Ausland mehr als eingeschränkt und konnte nur durch einen umfassenden Schuldenerlass sowie andere internationale Geberhilfe im Grundsatz wieder hergestellt werden.
Die schlechte Infrastruktur - weite Teile des Landes sind von der Außenwelt abgeschnitten -, das Fehlen einer leistungsfähigen Verwaltung und die verbreitete Korruption lassen daran zweifeln, dass die DR Kongo die Millenniums-Entwicklungsziele erreicht. 90 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren beträgt 213 pro 1.000 Lebendgeburten. Nur knapp ein Viertel der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. Nach einem Bericht der Weltbank hat die DR Kongo das schlechteste Investitionsklima von 175 untersuchten Ländern.
Kriegsspuren tilgen und Entwicklungschancen schaffen
Die größte Zukunftsaufgabe in der DR Kongo heißt, eine dauerhafte Friedensordnung zu schaffen. Kindersoldaten und Kriegsopfer müssen in die Gesellschaft reintegriert werden. Sie brauchen dringend Einkommenschancen und eine dauerhafte Lebensgrundlage. Gleichzeitig müssen die wirtschaftlichen Strukturen verändert und die Armut dauerhaft bekämpft werden.
Statistische Daten Demokratische Republik Kongo, 2010
| Fläche in qkm | 2.344.885 |
|---|---|
| Hauptstadt | Kinshasa |
| Einwohner in Mio. | 66,0 |
| Bruttoinlandsprodukt in Mrd. US-Dollar | 11,3 |
| Wirtschaftswachstum in Prozent | 6,1 |
| Human Development Index | Wert: 0,239 Rang: 168 von 169 Ländern |
Stand: Juli 2011