Projekt - Gesundheitsgutscheine

Kenia - Gesundheit auf Gutschein

Mehrere kenianische Mütter sind zusammen und halten ihre Babys im Arm.

Stolze Mütter mit ihren "Voucher Babies". Quelle: NCAPD

Die 18-jährige Faith Kanini wohnt in einer Wellblechhütte in einem der schmutzigen Slums Nairobis. Hier wollte sie ihr Kind nicht zur Welt bringen. Zu viele Frauen und Kinder sterben in Kenia bei der Geburt. Doch in einer Klinik kostet die Geburt mindestens 250 Euro, soviel verdienen Arme in einem Jahr. Die KfW Entwicklungsbank subventioniert daher Gesundheitsgutscheine für Arme. Mit einem dieser Gutscheine hat Faith Kanini ihren Sohn nun doch in einer Klinik gesund zur Welt gebracht. Für den Gutschein hat sie umgerechnet zwei Euro bezahlt und konnte die Klinik auch noch selbst aussuchen.

Die Müttersterblichkeit in Folge von Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt in Kenia ist erschütternd: Bei 100.000 Geburten sterben 488 Frauen. Und das in einem Land, in dem eine Frau durchschnittlich 4,6 Kinder zur Welt bringt. Angesichts der Wirtschaftsstärke Kenias ein Armutszeugnis. Diese hohe Fruchtbarkeitsquote ist auch Folge von fehlendem Zugang zu Verhütungsmitteln. Die erschreckend weit verbreitete sexuelle Gewalt gegen Frauen führt ebenso zu zahlreichen ungewollten Schwangerschaften. Die geschätzten 300.000 Abtreibungen pro Jahr sind ein Ausdruck davon.

Luxus Arztbesuch

Der Zustand des kenianischen Gesundheitssystems ist miserabel. Nur etwa ein Viertel der Bevölkerung ist krankenversichert und das sind vor allem offiziell Angestellte. Die neun Millionen Kenianer im informellen Sektor und die Armen müssen Kosten für Behandlung und Medikamente aus eigener Tasche bezahlen. So wird ein Krankheitsfall in der Familie, aber auch die Geburt eines Kindes zu einer oft untragbaren finanziellen Belastung. Viele kenianische Frauen bringen daher ihre Kinder zu Hause zur Welt - unter teilweise schlimmen hygienischen Bedingungen. Bei nur 42 Prozent der Geburten ist ein Arzt oder eine Hebamme dabei.

Gutscheine schaffen Entscheidungsspielraum

Um das Gesundheitssystem in Kenia ganz gezielt zu verbessern und den Armen Zugang zu Gesundheitsleistungen zu ermöglichen, geht die KfW Entwicklungsbank einen neuen Weg: Nicht mehr das allgemeine Gesundheitssystem wird mit Zuschüssen gefördert, sondern die einzelne, konkrete medizinische Leistung. Die Absicht dahinter: Es entsteht ein effizientes, an den Bedürfnissen der Patienten orientiertes und wettbewerbsfähiges System, das gezielt die Ärmsten der Armen erreicht.

In Kenia finanziert die KfW seit Mitte 2006 aus Zuschüssen des Bundes Gutscheine, die vom Prinzip her wie Krankenscheine funktionieren. Gegen Vorlage eines Gutscheins kann eine Patientin medizinische Betreuung während der Schwangerschaft und bei der Geburt, Familienplanung und Verhütung, aber auch medizinische Behandlung nach sexueller Gewalt in Anspruch nehmen. 200 Kenia-Schilling kostet dank der Subvention die Geburtsbetreuung. 100 Kenia-Schilling, umgerechnet ein Euro, kostet der Voucher für die Beratung zur Familienplanung und Verhütung. Nach Einlösen des Gutscheins vergütet das Programm die beteiligten privaten, kirchlichen oder staatlichen Kliniken die tatsächlichen Kosten.

Werbeplakat für Familienplanungsgutscheine - Eltern mit Baby

Gutscheine für die Beratung zur Familienplanung und für Verhütungsmittel ermöglichen auch der ärmeren Bevölkerung den Zugang zu Gesundheitsleistungen. Quelle: NCAPD

In der ersten Projektphase wurden 150.000 Gutscheine in den ländlichen Regionen Kisumu, Kiambu und Kitui sowie in den Slums Korogocho und Viwandani in Nairobi ausgegeben. Seit April 2009 läuft eine zweite Projektphase als Vorbereitung eines landesweiten Programms. Die Nachfrage ist gewaltig. Jeden Monat kommen dank Gesundheitsgutschein über 1.500 Kinder sicher zur Welt. Kinder von Müttern, die sich sonst nie eine Geburt unter medizinischer Betreuung hätten leisten können.

Die Gesundheitsstationen profitieren ebenfalls. Private Ärzte sind froh darüber, dass sie dank des Gutscheins nun auch arme Patienten behandeln können, ohne selber drauf zu zahlen. Und staatliche Kliniken schätzen den finanziellen Spielraum, den sie durch aufwandbezogene Vergütung ihrer Leistungen erhalten. Sie investieren in zusätzliche Betten, einen neuen Kreißsaal oder mehr Personal, um im entstandenen Wettbewerb mit privaten Ärzten und Kliniken den Patientinnen und Patienten gute Leistungen bieten zu können.

Sektorprogramm Entwicklung des Gesundheitssektors
- hier: Komponente OBA

Land Kenia
Sektor / BMZ-Förderbereich Gesundheit
BMZ-Projektnummer 2007 65 131
Status in Durchführung
FZ-Mittel in Mio. Euro 10,0 (OBA)
KfW-Mittel in Mio. Euro --

Weiterführende Informationen

Stand: Juli 2011