Programm - Gesundheit
Guinea - Ärzte und Verhütungsmittel sind Mangelware
Aufklärung ist vor allem zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften bei jungen Frauen notwendig. Quelle: Paul Loua, PSI Guinea
Um die Gesundheit der guineischen Bevölkerung steht es schlecht. In dem durch politische Unruhen, große Armut, schlechte Infrastruktur und Korruption geprägten westafrikanischen Land ist es außerhalb der Hauptstadt Conakry schwer, einen Arzt oder eine Apotheke zu finden. Ein Arzt kommt auf 10.000 Menschen. Insbesondere Frauen und Kinder unter fünf Jahren leiden unter dem katastrophalen Zustand des Gesundheitssystems. Die Kinder- und Müttersterblichkeit ist erschreckend hoch. Die KfW Entwicklungsbank finanziert im Auftrag der Bundesregierung ein ganzes Bündel von Maßnahmen, um die gesundheitliche Versorgung im Land zu verbessern.
Mütter und Kinder leiden am stärksten unter dem schlechten Zustand des Gesundheitssystems. Von 1.000 Babys sterben schon 91 bei der Geburt. 163 von 1.000 geborenen Kindern erleben nicht ihren fünften Geburtstag. Die Müttersterblichkeit ist eine der höchsten weltweit. Solche Zahlen sind die Folge fehlender Ärzte, medizinischer Stationen und Medikamente insbesondere auf dem Land.
Aufklärung tut Not
Frauen, die sich vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen wollen, haben dazu kaum eine Chance. Vor allem hormonelle Verhütungsmittel sind kaum zu bekommen. Auf ein Paar, das moderne Verhütungsmethoden anwendet, kommen drei Paare, die dies gerne tun würden, aber keine Antibaby-Pille kaufen können. Die Folgen sind zahllose ungewollte Schwangerschaften. Selbst Minderjährige werden häufig ungewollt schwanger. Nicht fachmännisch ausgeführte Abtreibungen, die Vorbelastung der meisten Frauen durch weibliche Genitalverstümmelung, das geringe Alter vieler Mütter bei der Geburt und die schlechten Verkehrswege erklären, warum so viele Frauen als Folge einer Schwangerschaft sterben.
Trotz entsprechender Gesetze können Frauen ihren Wunsch nach Verhütung, geschütztem Verkehr und körperlicher Unversehrtheit kaum durchsetzen. Frauen sind weiterhin in hohem Maße von Genitalverstümmelungen betroffen, die immer noch tief in den Traditionen des Landes verwurzelt sind. Um eine Einstellungs- und Verhaltensänderung zu erreichen, ist eine tiefgreifende Bewusstseinsänderung insbesondere bei Entscheidungsträgern und Meinungsführern der Gesellschaft erforderlich.
Die stärkere Verbreitung von Verhütungsmitteln, die bessere gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung, der Schutz vor HIV/Aids und der Kampf gegen die Genitalverstümmelungen sind die wichtigsten Ziele der deutsch-guineischen Zusammenarbeit im Gesundheitssektor. Fernseh- und Radiospots sowie Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen tragen dazu bei, Informationslücken zu schließen und Verhalten nachhaltig zu ändern.
Schmutziges Wasser macht krank
Nur die Hälfte der Bevölkerung Guineas kann auf sauberes Wasser zurück greifen. Deshalb sind durch verseuchtes Wasser übertragene Durchfallkrankheiten ein zentrales Gesundheitsproblem. Choleraepidemien treten immer wieder auf und sind ein Grund für die hohe Kindersterblichkeit.
Besonders Kinder unter fünf Jahren leiden unter der verbreiteten Armut und dem schlechten Zustand des Landes. Dabei genügen oft schon einfache Maßnahmen, um den Kindern zu helfen. So können Durchfallerkrankungen, die insbesondere in der Regenzeit zwischen Mai und November in geballter Form auftreten, durch den subventionierten Verkauf chlorhaltiger Lösungen zur Trinkwasserdesinfizierung verhindert werden. Laut Studien können chlorbasierte Produkte Durchfallerkrankungen um durchschnittlich 50 Prozent reduzieren. Bei Choleraepidemien geht die Zahl der Infektionen sogar um 95 Prozent zurück.
Erste Erfolge
Die bessere Verbreitung von Verhütungsmitteln, Medikamenten und der Verkauf der chlorhaltigen Lösungen zeigen erste Erfolge. Auch wenn keine genauen Absatzzahlen vorliegen, so gehen erste Studien davon aus, dass über einen Zeitraum von zwei Jahren mehr als 100.000 ungewollte Schwangerschaften vermieden und Durchfallerkrankungen um knapp 300.000 zurückgingen. Das würde bedeuten, dass knapp 1.500 Menschenleben durch das FZ-Vorhaben gerettet werden.
Förderung der Reproduktiven- und Familiengesundheit
| Land | Guinea |
|---|---|
| Sektor/BMZ-Förderbereich | Gesundheit |
| BMZ-Projektnummer | 2008 65 501 |
| Status | in Durchführung |
| Mittel der FZ in Mio. Euro | 7,0 |
| KfW-Mittel in Mio. Euro | -- |
Weiterführende Informationen
FZ-Engagement im Bereich Gesundheit
Stand: Juli 2011