Programm - Gesundheit
Côte d'Ivoire - Werbung für (Familien-)Werte
Behaviour Change Communication: Gespräche untereinander sind wichtig für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität und Schwangerschaft. Quelle: ACMS
Für erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit bedarf es mehr als Geld und guter Absichten. Besonders im Gesundheitssektor. Damit die Menschen Hilfe und Medikamente auch annehmen, setzen die KfW Entwicklungsbank und ihre Partner auch auf ungewöhnliche Kommunikation. Zum Beispiel auf TV-Serien. Was die amerikanische Serie "Sex and the City" für Fans in den USA und Westeuropa ist, ist "SIDA dans la Cité" für Millionen von Fernsehzuschauern in Westafrika: absoluter Kult.
Mehr als 50 Folgen sind bisher erschienen. Und genau wie Carrie Breadshaw und ihre Freundinnen in New York sind Jackie, Serapo und Mado, die Protagonisten aus SIDA dans la Cité, für viele Afrikaner Vorbilder. Anders als Fernsehunterhaltung aus Hollywood hat die afrikanische Serie allerdings einen ernsthaften Hintergrund. SIDA ist die französische Abkürzung für "Syndrome d'Immunodéficience Acquise" - Aids. Mehr als nur um gute Unterhaltung geht es den Machern um sexuelle Aufklärung und HIV-Prävention. Die Serie ist Teil einer langjährigen Kampagne, finanziert von der KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Gut vermarktet ist halb gewonnen
In der westafrikanischen Côte d'Ivoire etwa, wo SIDA dans la Cité produziert wurde, arbeitet die KfW Entwicklungsbank seit 1996 daran, die Bevölkerung aufzuklären und sie zuverlässig und günstig mit Kondomen und oralen Kontrazeptiva zu versorgen. Dadurch sollen die Menschen befähigt werden, sich gegen AIDS und gegen ungewollte Schwangerschaften zu schützen. Die Partner vor Ort spielen dabei eine wichtige Rolle. Die KfW tritt als Finanzierer und als Ideengeber auf, die Umsetzung der Programme übernehmen Nichtregierungsorganisationen wie die ivorische Social-Marketing-Agentur AIMAS. Sie schult Multiplikatoren, die Aufklärungsunterricht geben, schaltet Radiospots und Plakatwerbung und wirbt für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität und Schwangerschaft. Parallel dazu hat AIMAS ein Netz von Lieferanten und Verkaufsstellen aufgebaut, um Kondome der eigenen Marke "Prudence" und die Anti-Baby-Pille "Confiance" auf dem Markt zu etablieren - mit großem Erfolg. Heute werden Prudence und Confiance, die stark subventioniert werden, landesweit verkauft.
Gewohnheiten ändern
In der Côte d'Ivoire verkauft AIMAS mit knapp 30 Millionen Kondomen pro Jahr heute mehr als dreimal so viel wie zu Beginn des Programms und ist damit klarer Marktführer. Ähnlich hat sich der Absatz von Confiance entwickelt. Die Akzeptanz der Produkte zeigt, dass es AIMAS nach und nach gelingt, das Verhalten der Menschen positiv zu verändern. Behaviour Change Communication heißt das im Fachjargon der Entwicklungszusammenarbeit. Und das gelingt vor allem mit Serien wie SIDA dans la Cité - einer Mischung aus Unterhaltung und Aufklärung, die gerne gesehen wird, aber trotzdem so lebensnah ist, dass sich die Zuschauer mit dem Verhalten der Protagonisten identifizieren. Wenn man die Leute auf der Straße fragt, woher sie über Aids und Verhütung Bescheid wissen, antworten viele: aus dem Fernsehen. Der Vorteil von audiovisuellen Medien ist dabei offensichtlich: Sie erreichen auch Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Für die Landbevölkerung fahren Lkws mit Leinwänden auf der Ladefläche von Dorf zu Dorf und zeigen die Filme.
An diesen Erfolg will die Entwicklungsbank auch im Bereich der Familienplanung anknüpfen. Weltweit können 200 Millionen Paare aus Mangel an Verhütungsmitteln die Größe ihrer Familie nicht selbst bestimmen. Wie auch in vielen anderen Entwicklungsländern ist der Bereich der Familienplanung in der Elfenbeinküste sehr stark unterfinanziert. Die Folgen sind Armut und 76 Millionen ungewollte Schwangerschaften pro Jahr. In der Côte d'Ivoire bekommt jede Frau im Schnitt fünf Kinder. Das sind mehr, als viele versorgen können und sich wünschen. Die KfW Entwicklungsbank arbeitet deshalb daran, sie bei einer selbstbestimmten Familienplanung mit der Pille und der Hormonspritzen zu unterstützen. Das Ziel: Die Stellung der Frauen zu stärken und gleichzeitig die Männer mehr in die Familienplanung mit ein zu beziehen. Kein leichtes Unterfangen in einem Land, in dem Frauen oft eine stark benachteiligte Position haben.. Eine neue Serie nach dem Vorbild von SIDA dans la Cité ist deshalb schon in Arbeit. Der Titel des neuen Straßenfegers: "Ma femme, mon amie" - "Meine Frau, meine Freundin".
Familienplanung und HIV-Prävention
| Land | Côte d'Ivoire |
|---|---|
| Sektor/BMZ-Förderbereich | Gesundheit, Familienplanung, HIV/AIDS |
| BMZ-Projektnummer | 1999 66 417, 2004 65 955 |
| Status | abgeschlossen/in Durchführung/ weitere Phase in Vorbereitung |
| Mittel der FZ in Mio. Euro | 26,1 |
| KfW-Mittel in Mio. Euro | -- |
Weiterführende Informationen
FZ-Engagement im Bereich Gesundheit
Stand: Juli 2011