Evaluierungsreise nach Peru
Einzigartige Ökosysteme in Peru - ein Reisebericht
Hochland bei Huascarán. Quelle: Vanessa Gleiss
Zeitig am Morgen werden wir beim Verlassen des Flughafens von der angenehmen Wärme Limas empfangen und tauchen ein in das tägliche Verkehrschaos der Millionenstadt. Vor uns, einer Delegation der Evaluierungsabteilung, liegen zehn Tage, in denen wir uns ein Bild über die Investitionen in das nationale Schutzgebietssystem Perus machen dürfen, welche die KfW aus Mitteln der Bundesregierung getätigt hat. Die peruanischen Partner wurden dabei unterstützt, einzigartige Ökosysteme des Landes zu erhalten und vom Aussterben bedrohte Arten zu schützen.
In den zehn Tagen sollen wir einerseits mit unseren Projektpartnern von Nationalparkverwaltung und Naturschutzfonds die Ergebnisse des Programms und die Schlussfolgerungen für das weitere Engagement erörtern; zum anderen ist eine Auswahl von Schutzgebieten des Landes zu besuchen, die repräsentative Ökosysteme der Küstenzone, der Andenkordillere und des tropischen Regenwaldes umfassen. Bei der Besichtigung ausgewählter Programmgebiete wollen wir die dort finanzierte Infrastruktur begutachten sowie Gespräche mit den Menschen vor Ort führen, die von dem Programm profitieren beziehungsweise für die Umsetzung verantwortlich sind. Denn vor Beginn des Vorhabens befand sich das peruanische Naturschutzgebiets-System in einem desolaten Zustand: weder Personal, Infrastruktur noch die finanziellen Mittel reichten aus, um den Schutz der einmaligen Naturlandschaften des Landes zu gewährleisten. Im Rahmen des Vorhabens sollte das Management der Gebiete verbessert werden, um Schutzmaßnahmen effektiver zu gestalten, Nachbarschaftsprobleme mit den Anrainergemeinden beizulegen und Schutzgebiete dabei zu unterstützen, eigene Einnahmen zum Beispiel durch Tourismus zu erzielen. Dafür wurden unter anderem Schutzgebietspläne gemeinsam mit den Anrainergemeinden erarbeitet, Umweltinformationszentren gebaut sowie Kontrollposten und Unterkünfte für die Nationalparkwächter eingerichtet.
Unser Programm hat, über das Land verteilt, Gebiete in völlig unterschiedlichen Ökosystemen gefördert: tropische Trocken- und Regenwälder, unberührte Nebelwälder, hochandine Ökosysteme mit Gletschern und Gebirgsseen sowie Mangrovensümpfe. Wir haben Einiges an Strecke zurück zu legen, um zumindest eine repräsentative Auswahl zu besuchen – was uns etliche Inlandsflüge und Überlandfahrten einbringt. Aber gerade dadurch erhalten wir einen bleibenden Eindruck von der Vielfalt des Andenstaates.
Nach dem Auftaktgespräch in Lima führt uns der erste Besuch in den Nationalpark Huascarán auf über 4000m. Auf dem Weg dorthin legen wir einen Zwischenstop im Naturreservat Lachay ein. Dank seiner Nähe zu Lima ist das Schutzgebiet ein beliebtes Ausflugsziel, und über das Programm wurde ein Umweltinformationszentrum besonders für die umliegenden Schulen eingerichtet, das eine wichtige Rolle in der Umwelterziehung einnimmt. Das wechselnde Erscheinungsbild der hügeligen Wüstenlandschaft – ausgetrocknete und karge Landschaft in der Trockenzeit, die zur Regenzeit kurz aufblüht – eignet sich gut, um die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen in fragilen Naturlandschaften zu demonstrieren.
Gespräche mit Anrainern und Parkrangern. Quelle: Matthias von Bechtolsheim
In den Bergen von Huascarán besichtigen wir nicht nur die vom Programm finanzierte Infrastruktur und Ausstattung, sondern haben – mindestens ebenso wichtig und aufschlussreich! – Gelegenheit, mit den Parkrangern und Vertretern der Anrainergemeinden zu sprechen. Weiter geht unsere Reise in den Regenwald, der uns mit tropischen Temperaturen empfängt. Auch hier treffen wir auf motivierte Menschen, die sich angesichts bestehender Bedrohungen aktiv für den Erhalt von Lebensräumen für die dortige Tier- und Pflanzenwelt einsetzen. Welche Rolle die weltweite Finanzkrise hier spielt, wird erst beim zweiten Blick klar: der Goldpreis steigt, immer mehr illegale Goldsucher dringen ein, und Ranger wie die vom Wald lebenden Einwohner versuchen zu retten, was zu retten ist. Glücklicherweise werden sie dabei entschlossen von Polizei und Militär unterstützt. Bei der Besichtigung eines Waldpfades können wir nicht nur das Geschrei der Brüllaffen in der Ferne hören, sondern begegnen auch einer Rotte Wildschweine (pecaris) nur wenige Meter vor uns: ein Erlebnis für Auge, Ohr – und Nase!
Wegen ungünstiger Wetterbedingungen gerät unsere Flugreise in den nördlichen Landesteil um einige Stunden aus dem Takt: buchstäblich in letzter Minute müssen Flüge umgebucht werden, sind Treffpunkte neu zu organisieren – das Programm wird eben etwas "angepasst". Als wir schließlich ankommen, haben wir die Gelegenheit, die Trocken- und Mangrovenwälder des Landes kennenzulernen. Die lokalen Mitarbeiter erläutern uns, was sich in der Region seit Programmbeginn zum Positiven verändert hat. Die Parkbehörden verfügen inzwischen, auch Dank des FZ-Programms, über eigene Bürogebäude und können in Zusammenarbeit mit lokalen Nichtregierungsorganisationen unter anderem zuvor verödete Gebiete wieder aufforsten. Der Ausbau eines Umweltinformationszentrums ist bereits begonnen, um die Anzahl der Besucher zu erhöhen und eigenes Geld für Schutzmaßnahmen einzunehmen.
Nach den zahlreichen Interviews kehren wir mit vielen Eindrücken zurück und sind nicht nur beeindruckt von der Vielfalt Perus, sondern auch vom Engagement der Menschen, die sich unter teilweise sehr schweren Bedingungen für den Schutz der einmaligen Natur ihres Landes einsetzen.
Stand: Mai 2012