Beispiel - Empowerment Prozesse

Kooperation mit dem Seminar für Ländliche Entwicklung (SLE) 

Frau verkauft Fisch an ihrem Marktstand in Sierra Leone

Mit Hilfe eines Kredites konnte Ramattu ihr Geschäft ausweiten. Quelle: Helge Roxin

Die Forschungskooperation mit dem Seminar für Ländliche Entwicklung (SLE) an der Humboldt Universität Berlin stand unter dem Titel „Ökonomisches Empowerment insbesondere von Frauen durch Mikrokredite – dargestellt am Fallbeispiel der Microfinance Investment and Technical Assistance Facility (MITAF) in Sierra Leone".

„Empowerment“ ist ein Begriff mit vielseitiger Verwendbarkeit und zahlreichen Definitionen und hat seit Ende der 80er Jahre einen zentralen Platz in der Entwicklungszusammenarbeit eingenommen. Mit ihm wird ganz allgemein ein Zugewinn an Gestaltungs- und Entscheidungsmacht für benachteiligte Gruppen und Individuen umschrieben. Ihre Zugangs- und Teilhabemöglichkeiten werden gestärkt und damit auch ihr Selbstvertrauen und die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse klar zu formulieren und ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Derartige Veränderungsprozesse können durch Entwicklungsmaßnahmen gefördert werden und bilden oft ein eigenständiges Ziel.

Gesellschaftliche Veränderungsprozesse durch Mikrokreditvergabe

Speziell Empowerment von Frauen wird als wirkungsvolle Strategie zur Armutsreduzierung und zum Wirtschaftswachstum angesehen. Ein besonders hohes Empowerment-Potential wird dabei (Mikro-) Finanzprogrammen nachgesagt, deren Kunden mehrheitlich Frauen darstellen (durchschnittlich 90%). Zwar gibt es zahlreiche Studien zu Effektivität, Nutzung und Nutzen von Mikrofinanzprogrammen. Doch hinsichtlich der Selbsteinschätzung der Betroffenen und der Veränderung ihrer Lebenssituation sowie hinsichtlich der empirischen Messung von Empowerment-Prozessen und determinierenden Faktoren liegen verhältnismäßig wenig gesicherte Forschungserkenntnisse vor. Hier setzt die Forschungsstudie exemplarisch mit dem FZ-geförderten Mikrokreditprogramm MITAF in Sierra Leone an.

Im Auftrag der KfW untersuchte eine Forschungsgruppe des Postgraduiertenkurses des SLE den Zusammenhang zwischen Mikrofinanzförderung und Empowerment-Prozessen vor allem bei Frauen. Dabei ging es sowohl um eine Bewertung der bisherigen, FZ-geförderten Maßnahmen als auch um eine generelle wissenschaftliche Analyse, da das Vorhaben Empowerment-Prozesse bisher noch nicht explizit ins Visier genommen hatte, dies aber anstrebt.

Im Ergebnis entstand eine Forschungsstudie, die unterschiedliche Empowerment-Ebenen analysiert und wesentlich zum besseren Verständnis der relevanten Wirkungszusammenhänge (pathways of empowerment) beiträgt. Diese wird ergänzt durch eine sogenannte Storyline, die in anekdotischer Weise aus Sicht der Betroffenen gesellschaftliche Veränderungsprozesse veranschaulicht. Die Forschungsergebnisse sind sehr praxisrelevant und können direkt für die Weiterentwicklung der Konzeption von Folgevorhaben in Sierra Leone und anderen ähnlich gelagerten Kontexten verwandt werden.

Die Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse in verschiedenen Fachforen führte zur Identifikation von weiterführenden Forschungs- und Erkenntnisfragen in dem komplexen Themenbereich Armutsbekämpfung und Empowerment. Hier liegt noch viel Potential für weitere, praxisorientierte Forschung.


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