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Sie fielen uns um den Hals, drückten uns an sich und lachten. Die Frauen, die durch das Vorhaben ländliche Wasserversorgung in der Hai-Region in Tansania endlich Zugang zu klarem, sauberem Wasser haben, sehen in uns ihre Förderer.
Die Frauen reden aufgeregt durcheinander; sie haben sich schön gemacht. Die Masai-Frauen tragen ihren weißen Schmuck um Hals und Kopf. Wir sind in den so genannten „Plains“ am Fuße des Kilimanjaros, im so genannten „Lower Belt“ . Die Erde hier im „Lower Belt“ ist trocken, die Landwirtschaft nicht annähernd so ergiebig wie an den üppig grünen Berghängen des „Coffee-Banana-Belts“ . Die Menschen leben hier hauptsächlich von der Viehwirtschaft. Die Masai sind ein Nomadenvolk, das sich zunehmend im Hai-Distrikt ansiedelt. Dass es hier verlässlich Zugang zu sauberem Wasser gibt, spielt dabei auch eine Rolle.

Die Wasserversorgung und ihre Auswirkungen stehen im Mittelpunkt unseres Interesses. Die Wassersysteme und die Wassernutzerinnen und Wassernutzer sind Ziel unserer Reise. Wir sind eine Delegation der Evaluierungsabteilung der KfW Entwicklungsbank auf örtlicher Prüfungsreise. Das Vorhaben „Ländliche Wasserversorgung im Hai-Distrikt“ wurde 1990 begonnen; Phasen II und III wurden 1999 und 2004 abgeschlossen. War es ein erfolgreiches Projekt? Wurden die Projektziele erreicht? Was waren Hindernisse, was waren Erfolgsfaktoren? Und wie sieht es heute aus – fünf Jahre nach Beendigung des Vorhabens? Funktionieren die Wasseranlagen überhaupt noch? Wie hat sich der Wassersektor insgesamt verändert? Und viel wichtiger: Profitieren die Menschen vom sauberen Wasser? Hat sich ihre Gesundheits- und Lebenssituation verbessert?
Die ersten Antworten auf unsere Fragen in den Interviews mit den Frauen kamen sehr zögerlich. Einfache Fragen über die Distanz zur Wasserquelle stellten sich als gar nicht so einfach dar, da weder Minuten noch Meter verinnerlichte Maßeinheiten sind. Eine Frau nach der anderen erzählte von ihrer Situation "vor dem Projekt“. Morgens früh um 4 Uhr musste Mariam aufstehen, um an einem 12 km entfernten Fluss Wasser zu holen. Sauber war das Wasser nicht. Die Kinder hatten ständig Bauchschmerzen und Durchfall. Wenn sie mit Wasser nach Hause kam, warteten die Kinder oft noch hungrig auf ihr Frühstück anstatt in der Schule zu lernen. Incoletta hatte es nicht so weit zu einer Wasserquelle, musste jedoch Frondienste leisten, um bei ihrem Nachbarn Wasser aus einem gebohrten Erdloch holen zu dürfen. Lailais Familie hatte immerhin einen Esel, um Wasser aus einer veralteten Trinkwasseranlage drei Dörfer weiter zu holen. Manchmal kamen Wassertanks ins Dorf. Für einen horrenden Preis bekam man einen Eimer Wasser (300 TZS/ 20l) und dafür nicht einmal sauberes.
Und heute? „Heute haben wir sauberes Wasser und das nicht weit von zu Hause.“ Die Frauen müssen sich nicht mehr mitten in der Nacht mit einem Wassereimer auf dem Kopf auf den Weg zu einer entfernten Wasserquelle aufmachen. Die Kinder gehen nach einem Frühstück in die Schule und sind „gesund“. Die Frauen fühlen sich auch viel gesünder – sie berichten auch von einem Rückgang der Missgeburten. Weniger körperliche Belastung und mehr Zeit.
Nun wollen alle gleichzeitig erzählen, was sie mit ihrer gewonnenen Zeit anfangen: Mehr Zeit für die Kinder, für Haus, Hof und Vieh, ein kleiner Garten hinterm Haus, ein Stand auf dem Markt. Eigenes Einkommen bedeutet neben höherem Lebensstandard auch Unabhängigkeit und wachsendes Selbstbewusstsein. Insbesondere die Masai gewannen an Selbstbewusstsein. Als Nomadenvolk galten sie als „dreckig" – jetzt strahlt hier jeder! Zudem sei das Leben im Dorf aber auch in den Familien friedlicher. Kein Streit mehr um das Wasser, ob zur Bewässerung oder für den Haushalt, zufriedene Männer, wenn das Essen rechtzeitig auf dem Tisch steht, und endlich Zeit, mit der Nachbarin zu plaudern!
Die Besichtigung von Hausanschlüssen führte uns in die Gärten und Höfe ein wenig wohlhabenderer Haushalte. Jedoch ist auch dort der „Luxus“ lediglich ein Wasserhahn auf dem Hof. Die Besitzer der Hausanschlüsse sind begeistert – Wasser rund um die Uhr und so nah am Haus!
Gespräche mit der Zielgruppe, mit den Wassernutzerinnen und Wassernutzern sind nur ein Teil unserer Aufgabe. Ihnen voran gingen offizielle Besuche im Landwirtschaftministerium in Dar Es Salaam sowie Gespräche bei der Deutschen Botschaft und dem KfW-Büro vor Ort. In der Hai-Region folgten Gespräche auf Distriktebene bei Distriktregierung und Wasserbehörde. Besonders eindrucksvoll waren die Besuche bei den Water Trusts . Diese sind Betreiber der gebauten Wasseranlagen, und ihnen kommt gleichzeitig die wichtige Aufgabe der Wartung und Instandhaltung zu. Neben Büros, Bilanzen, und Buchhaltung wollten wir selbstverständlich die Wasserversorgungssysteme sehen: Die Rohre, Wasserspeicher, Verteilungsleitungen, Druckunterbrechertanks und Wasserhähne – von Entnahmestelle bis hin zum Wassereimer. Wir konnten nicht alle 8 Rohwasserentnahmestellen und 586 Zapfstellen begutachten. Doch bekamen wir einen guten Eindruck bei unseren Fahrten durch die Ausläufer des Kilimanjaro.
Ob Hausanschluss oder Zugang zu einer öffentlichen Zapfstelle: Das Leben der Bevölkerung im Projektgebiet, ganz besonders das der Frauen, hat sich seit Einrichtung der Wasserversorgung grundlegend geändert. Es war eine sehr dankbare Aufgabe, ihre Dankbarkeit entgegenzunehmen und ein so erfolgreiches Projekt prüfen zu dürfen. Die Parole der dörflichen Wasser-Komitees: Maji ni uhai! Maji ni mandeleo! Water is life! Water for development ! Wasser ist Leben! Wasser für Entwicklung!
Stand: Juli 2009