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Evaluierungsreise nach Honduras

Armut trotz überbordender Natur - ein Reisebericht

Bereits der Anflug auf Tegucigalpa, die Hauptstadt von Honduras, in der unsere Evaluierungsreise ihren Ausgang nehmen sollte, war ein Erlebnis: Das Flugzeug neigte sich zur Seite und zog immer kleiner werdende Kreise, um schließlich auf der extrem kurzen Landebahn nach heftigem Bremsmanöver zum Stehen zu kommen.

Honduras - Kinder bei der Essenausgabe

Vor uns, einem KfW-Kollegen und mir als Mitarbeiterin der Evaluierungsabteilung, lagen vierzehn Tage, in denen wir uns ein Bild und ein Urteil über den Sozialinvestitionsfonds und dessen kleine und kleinste Einzelinvestitionen in zahlreichen Departamentos von Honduras machen konnten. Hier hat die KfW aus Mitteln der Bundesregierung die honduranischen Partner dabei unterstützt, in den ärmsten und abgelegensten Regionen des Landes die Menschen mit sozialer Infrastruktur zu versorgen: Trinkwasser, kleine Brücken und Wege, Gesundheitsstationen und vor allem Schulbauten wurden durch den Fondo Hondureño de Inversión Social (FHIS) auch mit deutschen Mitteln erstellt.

Verheerender Hurrikan

Am Tag nach der Ankunft stand zunächst der Antritts- und Planungsbesuch beim Projektträger an. Hier erfuhren wir, dass ein gewaltiger Hurrikan „Felix“ mit Kurs auf Honduras und Nicaragua erwartet wurde. Die Mitarbeiter des FHIS waren in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Nach dem verheerenden Hurrikan „Mitch“, der im Oktober 1998 das Land verwüstet hatte, war es gerade der FHIS gewesen, dem die entscheidende Rolle als Katalysator bei der Koordination und Abwicklung der Wiederaufbauhilfe zukam.

Nun drohte den Prognosen internationaler Wetterexperten zufolge erneut eine vergleichbare Katastrophe. Kurzerhand stellten wir unser Programm um, vertieften uns für einen Tag in das Studium von Dokumenten und warteten weitere Wetterprognosen ab. Als sich abzeichnete, dass der Hurrikan nicht Honduras und nur in abgeschwächter Stärke die Küste Nicaraguas erreichen würde, konnten wir unsere Reise in die Projektregionen weiter planen.

Denn schließlich waren die Besichtigungen der Schulen, Trinkwassersysteme, Brücken und Gesundheitsstationen und die Gespräche mit den Menschen vor Ort der wichtigste Auftrag unserer Evaluierungsmission: Werden die Schulen genutzt, steht das Wasser in guter Qualität zur Verfügung, gibt es genügend Medikamente und Personal in den Gesundheitsstationen… ? Diesen und den Fragen nach den Wirkungen wollten wir auf den Grund gehen: Haben sich die Lernbedingungen und die Lernleistungen der Kinder verbessert, wie steht es um die Gesundheitssituation der Menschen, läuft aus den Wasserhähnen der Dorfbewohner auch noch drei Jahre nach Fertigstellung der Anlagen sauberes Wasser?

Honduras - Monte Capado

In traumhaften Landschaften liegen die Dörfer und vereinzelten Häuser. Oft fahren wir einen halben Tag über Buckelpisten, um in ein Dorf zu gelangen, in dem ein Schulgebäude erstellt wurde. Manche Dörfer sind nur zu Fuß zu erreichen und bei einem mehrstündigen Fußmarsch in einer Höhe von knapp 2.000 m wird meine Kondition bereits heftig auf die Probe gestellt. Die Naturerlebnisse sind phantastisch. Aber auch die Armut wird deutlich sichtbar und beeindruckt mich: Kinder, die trotz des nassen und kühlen Regenwetters ohne Schuhe zur Schule kommen; kleine Kinder, die ohne Frühstück den einstündigen Weg zum Kindergarten laufen und dort hungrig in einer Schlange auf das Mittagessen warten; Lastwagen, auf deren Ladeflächen Männer, Frauen und Kinder aneinander gepresst sitzen und sich mit Plastikplanen gegen den Regen zu schützen versuchen. Das Leben auf dem Land in Honduras kann sehr hart sein!

Mangel an Tischen und Bänken

Viele Schulen, die wir zu Unterrichtszeiten besuchten, waren voll oder sogar überfüllt mit Schülerinnen und Schülern. In den meisten Fällen waren auch die Lehrer vollzählig anwesend, was in Honduras den nationalen Statistiken zufolge sonst eher ein Problem ist. In manchen Schulen mangelt es auch an Tischen und Bänken. Um mir einen Eindruck von den Lernbedingungen zu machen, schaue ich mir in einer Klasse die Schulbücher und Arbeitsmaterialien genauer an: Nicht für jedes Kind gibt es ein Buch und für manche Fächer stehen nur einige wenige Arbeitshefte zur Verfügung. Diese dürfen nur in der Schule benutzt werden. Das sind sicher nicht die besten Lernbedingungen.

Ein Familienvater zeigte uns stolz seine Anlage zur Regenwassersammlung und –aufbereitung. Die Berater des FHIS hatten ihn nicht nur beim Bau der Zisterne und des Rohrsystems unterstützt, sondern ihn auch danach mehrmals besucht und ihm mit Ratschlägen geholfen. Auch wenn er sich zur Trinkwasserversorgung weiterhin vom Brunnen des Nachbarn gegen Bezahlung bedient, so deckt die Anlage seinen Wasserbedarf für Koch- und Reinigungszwecke. Schwierigkeiten sah er noch in der Beschaffung von Ersatzteilen für seine Handpumpe, um das Zisternenwasser in das Rohrsystem zu pumpen.

Lernleistungen

Am Ende unserer Reise stellten wir fest, dass wir Vieles gesehen hatten, das gut funktioniert, aber manches war auch weiterhin unverbessert: Solange z.B. Schulkinder zwar ein Dach über dem Kopf haben, aber nicht genügend Bücher und Hefte vorhanden sind, werden sich auch die Lernleistungen der Kinder kaum verbessern.

Die positiven und negativen Punkte kamen schließlich bei der Schlussbesprechung mit dem Projektträger zur Sprache und wurden intensiv diskutiert, bis wir uns auf ein gemeinsames Ergebnisprotokoll zur Reise einigten.

Angefüllt von Eindrücken, Informationen und Erlebnissen bestiegen wir nach vierzehn Tagen erneut das Flugzeug. Inzwischen hatte ich auch gelernt, dass der Flughafen Tegucigalpa als einer der gefährlichsten der Welt gilt. Die Maschine hob sicher ab!

Stand: Juli 2009


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